Beer: Zahlen-Jonglage lenkt nicht von unklaren Regelungen ab

Zur Schuljahresauftakt-Pressekonferenz von Ministerin Gebauer erklärt Sigrid Beer, bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion NRW:

„Präsenzunterricht ohne Rücksicht auf Inzidenzwerte ist ein waghalsiges und risikoreiches Versprechen, vor allem, wenn nicht alles dafür getan wird, die Schule zu einem sicheren Ort zu machen. Jeder Baustein muss in Anwendung gebracht werden, um Schulen sicherer zu gestalten. In Sachen Luftfilter macht sich das Land weiterhin einen schlanken Fuß.

Die Erkenntnisse der Aerosolforschung bei der Förderung für Luftfilter in Klassenräumen bleiben weiter außen vor: Das Land behauptet weiterhin, dass sie nur eingeschränkt für eine bestimmte Raumkategorie von Nutzen sind. Dabei benötigen wir im Bemühen, die Schulen möglichst sicher zu machen, alle uns zur Verfügung stehenden Bausteine im Kampf gegen diese Pandemie. Alleine eine offene Tür zum Flur reicht dafür nicht aus, es braucht eine wirkliche Querlüftung. Zusätzlich müssen Luftfilter dort systematisch eingesetzt werden, um die Aerosole wirksam zu reduzieren. Natürlich muss weiterhin gelüftet werden, um CO2 und Luftfeuchtigkeit nach außen bringen. Luftfilter senken aber die Aerosollast, nicht nur von Corona-Erregern.

Die nun zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel von Bund und Land für das Programm ,Aufholen und Ankommen‘ und die ,Extra-Programme‘ werden nicht für systematische Verbesserungen der Unterrichtsbedingungen genutzt, um in kleineren Lerngruppen und mit mehr Personal arbeiten zu können.

Stattdessen delegiert Ministerin Gebauer wieder zusätzliche Aufgaben an die Schulen und Schulträger ohne für die notwendige Unterstützung zu sorgen. Der Schulalltag bleibt ausgeblendet. Die Schulen brauchen sofort eine Schulleitungsassistenz, um die jetzt notwendigen Koordinationsaufgaben überhaupt stemmen zu können: Kooperationspartner gewinnen, Verträge auf den Weg bringen, Konzepte entwerfen, Personal anwerben. Es wird vielfach noch viele Wochen dauern, bis zusätzliche Angebote überhaupt auf den Weg kommen.

Es fehlt zudem ein Sozialindex bei der Verteilung der Mittel. Gerade Schulen, deren Schülerinnen und Schüler in schwierigen sozialen Lagen leben, die in der Regel weder personell noch  digital besonders gut ausgestattet sind, benötigen mehr Mittel als den Durchschnittsbetrag für alle. Die Schulministerin weigert sich, die Bildungsungerechtigkeit grundlegend anzugehen, da nützt auch kein Verweis auf das Feigenblatt von 60 Talentschulen.

Trotzdem hält die Ministerin daran fest, dass nach 14 Tagen in den klassischen Unterricht mit bekanntem Leistungsdruck gewechselt werden soll. Dabei benötigen die Schulen eine Aussetzung der Stundentafel, dem vorgeschriebenen Stundenplan, um Schülerinnen und Schüler bis zu den Herbstferien ankommen zu lassen und auffangen zu können. Warum es niedrigschwellige Impfangebote in den Schulen nur für die Sekundarstufe II und nicht für Kinder ab 12 Jahren geben soll, bleibt die Ministerin schuldig. Ebenso, wie Schülerinnen und Schüler, die in Quarantäne müssen, unterrichtlich versorgt werden sollen.

Die Ministerin versucht sich an einer Zahlen-Jonglage: Unter dem Strich bleiben viele Unklarheiten und die Schulen weiterhin mit mangelnder Unterstützung.“

 

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Hanna Marlena Sander

Pressereferentin

 

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