Schulentwicklung braucht Beteiligung

06.04.2011

nw-news.de
VON KLAUS FRENSING

Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Landesregierung, auf Einladung der Grünen im Bürgerhaus

Espelkamp. Wohin geht die Reise? Wie sieht die Schule der Zukunft aus, die die Kinder mit dem Lernvirus infiziert und an der allen Beteiligten die Arbeit Spaß macht? Fragen, die auch den Menschen in Espelkamp angesichts der jüngsten Überlegungen zur Entwicklung von Schule unter den Nägeln brennen. Die Fraktion und die Ortsgruppe Bündnis 90/Die Grünen hatte zu diesem spannenden Thema mit Sigrid Beer eine ausgesprochene Fachfrau eingeladen.

Die erfahrene Pädagogin, die als Lehrerin in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Forschung und Lehre tätig war, ist seit dem vergangenen Sommer schulpolitische Sprecherin der rot-grünen Landesregierung.

Zahlreiche Schulleiter und Lehrkräfte hatten sich am Freitagabend auf den Weg ins Bürgerhaus gemacht und von Anfang an entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

Die Schule von morgen, so Sigrid Beer, müsse mehr Bildungsgerechtigkeit garantieren, die Qualität der Bildung steigern und mehr Schüler zu höheren Abschlüssen führen sowie mit den Effekten des demographischen Wandels umgehen. "Wir wollen und müssen den Kindern die bestmögliche Schule bieten", betonte Sigrid Beer und ist davon überzeugt, dass eine integrative, individuell fördernde Schule den Kindern am gerechtesten wird. "Denn alle Kinder sind verschieden", sagt sie. Das Ziel muss sein; ein möglichst vollständiges Angebot für die Kinder vorzuhalten, damit kein Kind auf die Reise geschickt werden muss. Kurze Beine, kurze Wege, brachte sie es auf den Punkt. Sigrid Beer weiß aber auch, dass manch Wünschenswerte auf kommunaler Ebene ganz pragmatisch an seine Grenzen stößt. "Wir als Landesregierung möchten den Kommunen ermöglichen; neue Wege zu gehen", betont sie. Von oben herab zentral zu dirigieren, das geht nicht, weiß sei genau.

Viele Kommunalpolitiker haben erkannt, dass Schule ein zentraler Standortfaktor ist und die Gemeinschaftsschule angesichts des demographischen Wandels die besten Chancen biete den Schulstandort zu sichern.

14 gehen in diesem Sommer an den Start und 50 weitere Anträge, davon 80 Prozent aus CDU-regierten Kommunen, liegen bereits vor.

Der demographische Wandel bietet aber auch verschiedene Möglichkeiten der besseren Gestaltung von Schule, wie die Ausweisung von differenziertem Lernraum sowie Lehrerarbeitsplätze. Die Demographieeffekte werden im System bleiben, versprach Beer.

Ein weiteres Thema war die Inklusion. Laut UN-Menschenrechtskonvention sollen möglichst alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden. "Eine riesige Herausforderung für uns alle", unterstrich Sigrid Beer. Die Umsetzung erfordere Zeit, mindestens zehn Jahre, und eine entsprechende Ressourcenunterstützung.

Fritz Sandkröger, Chef der Waldschule, an der bereits seit einigen Jahren gemeinsamer Unterricht praktiziert wird, wies darauf hin, dass zur Zeit noch viel zu wenig Plätze an den Schulen vorhanden sind.

Im neuen Landes-Haushalt werden die Stellen für den GU ausgeweitet, antwortete Beer. Doch bat sie auch um Verständnis, dass die Umsetzung des ehrgeizigen Ziels, 85 Prozent der Förderschüler in den GU zu integrieren, einfach Zeit benötige. Da sind sich alle Parteien einig, freut sie sich. Wie sie sich insgesamt einen Schulkonsens im Land wünscht, der "mindestens zehn Jahre lang Bestand hat"! "Es ist dringend notwendig, dass sich Schule in Ruhe entwickeln kann", forderte sie.

Es sei aber ganz wichtig die Eltern auf diesem Weg zu gewinnen und mitzunehmen. Die Eltern, vom Kindergarten über die Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen, sollten sich die Eltern und alle Verantwortlichen gemeinsam an einen Tisch setzen, forderte sie bei der Schuldiskussion einen breiten Beteiligungsprozess, Transparenz und Weitblick. "Es geht nur gemeinsam das Beste für die Kinder herauszuholen!"

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