Rot-Grün stellt Hauptschule infrage

24.02.2011

Halterner Zeitung.de

DÜSSELDORF Die Hauptschule in NRW steht auf dem Prüfstand. Die rot-grüne Landesregierung stellt die von der Landesverfassung abgesicherte Existenzberechtigung der Hauptschulen infrage. Die Politik dürfe nicht die Augen davor verschließen, dass die Anmeldezahlen für die Hauptschulen in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken seien, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde des Landtags.

Vom Schuljahr 2004/2005 bis zum Schuljahr 2009/2010 seien die Schülerzahlen an den Hauptschulen um fast 30 Prozent zurückgegangen. Das sind fast 82 000 Schüler weniger.

Die Verfassung kann allerdings nur mit einer Zweidrittel-Mehrheit im Parlament geändert werden. CDU und FDP lehnen den Vorstoß der Koalitionsfraktionen ab. „Rot-Grün will nur die Gemeinschaftsschulen anpreisen“, sagte die Bildungsexpertin der FDP-Fraktion, Ingrid Pieper-von Heiden. Auch die Linksabgeordnete Gunhild Böth äußerte sich reserviert: „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir eine gesetzliche Änderung brauchen.“

Dagegen forderte die SPD-Abgeordnete Renate Hendricks das Parlament auf, eine Verfassungsänderung gemeinsam zu stemmen. Die Verfassungsgarantie für die Hauptschule bilde nicht mehr die Realität ab. „Wir binden in erheblichem Umfang Geld, das nicht optimal eingesetzt ist.“

Hauptschule habe negatives Image

Fast die Hälfte der Hauptschulen hätten zum Schuljahr 2009/2010 keine durchgängige Zweizügigkeit mehr vorweisen können, berichtete Löhrmann. Die Hauptschule habe ein negatives Image. Eltern wendeten sich von dieser Schulform ab, weil sie dort keine Perspektiven mehr für ihre Kinder sähen. Diesen Trend habe die schwarz-gelbe Vorgängerregierung trotz massiver Förderung nicht stoppen können. „Ihre Qualitätsoffensive ist gescheitert“, sagte die Ministerin.

In ihrem Antrag an den Landtag weisen SPD und Grüne auf besonders drastische Entwicklungen im Ruhrgebiet hin. In Duisburg seien für die elf Hauptschulen nur 84 Kinder angemeldet worden. „Keine Hauptschule kann eine Eingangsklasse bilden“, heißt es in dem Papier. Eine Hauptschule verzeichne lediglich eine Anmeldung. Von landesweit 624 Hauptschulen, die 2009 noch Schüler aufnahmen, unterschritten bereits 451 die Regelgröße von 48 Schülern in Klasse 5.

„Den Kindern ist nicht damit gedient, dass alle Abitur machen“

Auch in Essen seien zum neuen Schuljahr nur drei Prozent der Kinder an einer der sechs Hauptschulen angemeldet worden, berichtete die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer. Ähnlich sehe es etwa auch in Neuss aus. „Diese Daten legen die Schulrealität auf den Tisch des Parlaments.“

Dagegen wies der CDU-Abgeordnete Thomas Sternberg darauf hin, dass die Ausbildungsverträge im Handwerk zu 54 Prozent mit Hauptschülern abgeschlossen würden. Auch im Bereich der Industrie- und Handelskammern werde nur ein Viertel der Verträge mit Abiturienten abgeschlossen. „Den Kindern ist nicht damit gedient, dass alle Abitur machen“, sagte Sternberg. Es reiche aus, die Kinder besser auf die gestiegenen theoretischen Anforderungen auch im Handwerk vorzubereiten.

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