NRW nimmt Verfassungsänderung wegen Hauptschulen in den Blick

24.02.2011

Evangelischer Pressedienst (epd)

Düsseldorf (epd). Angesichts dramatisch sinkender Schülerzahlen an den Hauptschulen fordern die Regierungsparteien in NRW eine Änderung der Landesverfassung und des Schulgesetzes. "Die Verfassungsrealität entspricht nicht mehr der Schulrealität", sagte die SPD-Abgeordnete Renate Hendricks in einer Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtages am Donnerstag. Die Hauptschule ist bisher als einzige weiterführende Schule in der Landesverfassung verankert.

Der demografische Wandel in den letzten zehn Jahren schlage vor allem auf die Hauptschulen durch, sagte Hendricks weiter. Während die Gymnasien seit 2001 fünf Prozent weniger Schüler verzeichneten, sank ihre Zahl im gleichen Zeitraum an den Realschulen um 19 Prozent. Die Schülerzahl an den Hauptschulen ging mit 48 Prozent fast um die Hälfte zurück. Zudem konnten bereits 2009 mehr als zwei Drittel von 624 Hauptschulen nicht mehr zwei Eingangsklassen bilden, wie im NRW-Schulgesetz eigentlich vorgeschrieben.

Für viele Eltern sei die Hauptschule nicht mehr erste Wahl, unterstrich die grüne Bildungspolitikerin Sigrid Beer. So hätten sich bei den Anmeldungen zu den weiterführenden Schulen in der vergangenen Woche etwa in Duisburg nur noch 84 Schüler bei den elf Hauptschulen gemeldet.

"Dieser Entwicklung können wir nicht tatenlos zusehen, sie zwingt uns zum Handeln", unterstrich Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Sie appellierte an die Oppositionsparteien, nicht Schulformen, sondern die Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. In den meisten anderen Bundesländern gebe es die Schulform Hauptschule bereits nicht mehr. Ziel der Bildungspolitik muss es nach Löhrmanns Worten sein, alle Schüler individuell zu fördern und ihnen den bestmöglichen Abschluss zu ermöglichen. Hierzu sei die Gemeinschaftsschule ein richtiger Schritt.

Auch CDU und FDP räumten einen "erheblichen Drang weg von der Hauptschule" ein, warfen Rot-Grün aber vor, zum "Imageverlust" dieser Schulform beigetragen zu haben. "Das Ansehen und die gesellschaftliche Akzeptanz von Hauptschülern ist gering", sagte Thomas Sternberg (CDU). Dennoch sei für die Union wichtig: "Die Wahl der Eltern ist entscheidend." Die bisher gute Arbeit der Hauptschulen müsse weitergehen, "egal wie das Dach heißt, unter dem das stattfindet". Der Gemeinschaftsschule erteilte Sternberg allerdings eine Absage. Der NRW-Parteitag der CDU wird sich am 12. März in Siegen unter dem Motto "Jedem Kind gerecht werden" mit der Bildungspolitik befassen.

FDP-Schulpolitikerin Ingrid Pieper-von Heiden plädierte erneut für das Modell der "regionalen Mittelschulen" mit zwei Bildungsgängen unter einem Dach als zweite Säule neben dem Gymnasium. Auch sie wies Gemeinschaftsschulen als "Schulkombinate" zurück.

epd-West es fri

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