Petitionsausschuss schaltet sich ein: Darf Karen jetzt bleiben?

28.12.2010

Deutschland today

Fall des 18-jährigen Armeniers sorgt für politisches Aufsehen

Höxter (kai) - Der 18-jährige Karen Sedrakyan aus Armenien lebt seit vielen Jahren in Höxter und möchte hier sein Abitur machen. Nun soll er ausreisen, weil die Ehe zwischen seiner Mutter und ihrem deutschen Mann zu früh geschieden wurde. Die beiden waren bereits zehn Monate verheiratet, bevor sie nach Höxter kamen - danach hatte die Ehe weitere 18 Monate Bestand. Nach deutschem Recht nicht lange genug, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten.

Wie die OWZ zum Sonntag in ihrer letzten Ausgabe berichtete, kämpfen die Schulleitung des König-Wilhelm-Gymnasiums (KWG) und Karens Mitschüler hartnäckig für einen Verbleib des jungen Armeniers in Deutschland. Hans Nicolas, stellvertretender Schulleiter des KWG, hatte bereits vor Weihnachten angekündigt, notfalls die Härtefallkommission in Düsseldorf anzurufen - doch kurz vor Weihnachten schaltete sich Sigrid Beer in den Fall ein. Die Landtagsabgeordnete der Grünen ist zugleich Mitglied der Kirchenleitung der evangelischen Kirche in Westfalen. Die 54-jährige Politikerin sitzt im Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtages und will sich nun dafür stark machen, dass Karen in Höxter sein Abitur machen darf.

Die bisherigen Planungen sahen vor, dass Karen und seine Mutter Deutschland am 11. Januar 2011 verlassen. Die zuständigen Behörden hatten den beiden angeboten, an diesem Tag freiwillig auszureisen. Das würde Karen die Möglichkeit belassen, später wieder nach Deutschland einreisen zu können. Bei einer Verweigerung der freiwilligen Ausreise droht dem 18-jährigen Armenier und seiner Mutter die Abschiebung.

"Der Kreis Höxter hat uns heute morgen versichert, von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen abzusehen, solange sich der Petitionsausschuss mit Karens Fall befasst", erzählt Hans Nicolas am 28. Dezember. Die Möglichkeit, freiwillig auszureisen, bleibt Karen vorerst erhalten. Sollte der Petitionsausschuss seinen Verbleib in Deutschland befürworten, sei der Kreis Höxter jedoch nicht daran gebunden, dieser Auffassung zu folgen, sei Nicolas signalisiert worden. "Die zuständige Ausländerbehörde hat uns empfohlen, neben dem Petitionsausschuss auch die Härtefallkommission anzurufen", so Nicolas.

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