Der leise Abschied der CDU von der Hauptschule

11.10.2010

DER WESTEN
Tobias Blasius

Düsseldorf. Fraktionschef Laumann ist entschlossen, doch der Wirtschaftsflügel wehrt sich noch gegen den Abschied vom dreigliedrigen Schulsystem. Zumindest deutet vieles auf eine Überarbeitung der hergebrachten Positionen hin.

Galt die traditionelle Verteilung der Kinder auf Haupt-, Realschule und Gymnasium unter Duldung der Gesamtschule noch im Landtagswahlkampf als eine Art christdemokratisches Glaubensbekenntnis, so ist zurzeit eine neue Beweglichkeit zu beobachten.

Ausgerechnet CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann befeuerte dabei die innerparteiliche Debatte. Bei einem Bezirksparteitag im Sauerland sprach er der Hauptschule die Zukunftsfähigkeit ab­: Die Hauptschule ist in den meisten Regionen gescheitert.“

Bisher hat Laumann die Hauptschule verteidigt

Laumann, Maschinenschlosser und selbst ehemaliger Hauptschüler, war bislang hart­näckigster Verteidiger dieser Schulform. „Nun versucht die CDU, schulpolitisch die Kurve zu kriegen“, sagt Grünen-Bildungspolitikerin Sigrid Beer, die wie die rot-grüne Minderheitsregierung das Modell einer vollintegrierten Gemeinschaftsschule favorisiert.

Die neue Flexibilität der CDU dürfte dort Grenzen finden, wo die Eigenständigkeit des Gymnasiums berührt ist. Der schulpolitische Leitantrag des CDU-Landesvorstands zum Parteitag im November gibt Hinweise auf Koope­rationsmöglichkeiten von Haupt- und Realschulen, fordert ein gemeinsames „Frühlernjahr“ vor der Einschulung und will Berufskollegs zu regionalen Kompetenzzentren ausbauen.

Das Gymnasium indes als gerade in bürgerlichen Kreisen beliebteste Schulform wird kein CDU-Politiker so bald für neue Integrationsmodelle hergeben. Daher murrt der CDU-Wirtschaftsflügel vernehmlich über den „halbherzigen“ schulpolitischen Leitantrag. Die Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung sähe es lieber, wenn die Union offensiver für ein zweigliedriges Schulsystem nach dem Vorbild Sachsens einträte. Man öffnete sich der Strukturdebatte, ließe das Gymnasium jedoch außen vor.

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