Neue Westfälische: CDU gibt Hauptschule preis

CDU gibt Hauptschule preis

Neue Schulmodelle in Bundesländern / Nur NRW hofft auf mehr Schüler

Bielefeld. Im August öffnen im deutschen Norden die ersten Gemeinschaftsschulen. Alle Kinder, egal
wie leistungsstark sie sind, lernen dann von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam. Vorerst ist
das Modell freiwillig. Kommunen entscheiden auf Antrag darüber, ob sich Grund-, Haupt- und
Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien zusammenschließen können. Im zweiten Schritt werden
die Hauptschulen ab 2010 abgeschafft und mit den Realschulen zu „Regionalschulen“ umgewandelt.
Das Gymnasium bleibt bestehen.

Die CDU von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen beugt sich damit dem Druck des
demographischen Wandels, der in den bevölkerungsarmen Landesteilen bereits jetzt spürbar ist. Die
neue Schulform soll auf dem flachen Land ein breites Bildungsangebot gewährleisten. Hamburg
verspürt diesen Druck nicht. Dennoch beabsichtigt dort die regierende CDU ein Schulsystem aus
Gymnasien und „Stadtteilschulen“ einzuführen. Letztere sollen nach der Grundschule Haupt-, Realund
Gesamtschüler erziehen.

Hessens CDU-Landesregierung machte am Freitag Schlagzeilen mit einem Arbeitspapier des
Kultusministeriums „Elemente einer neuen Schule“, das die Frankfurter Rundschau veröffentlichte.
Diese soll Schüler von Haupt- und Realschule bis zur siebten Klasse gemeinsam unterrichten, eine
„abschlussbezogene“ Orientierung ist erst in Klasse 8 vorgesehen. Als Ziel für alle gilt die mittlere
Reife, der anschließende Wechsel auf ein Oberstufengymnasium ist möglich. Die Gymnasien bleiben
unangetastet.

Die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) reagierte mit einem sibyllinischen Dementi auf
Proteste konservativer Lehrerverbände. Die Landesregierung halte am „gegliederten“ Schulsystem
fest, erklärte sie wohlwissend, dass dafür zwei Schulformen ausreichen.

Derweil läuft in NRW die Abstimmung mit den Füßen. Die Anmeldungen zu den Hauptschulen sind
weiter rückläufig. Daran änderte auch nichts die Gründung von Ganztagshauptschulen. Damit sich die
Millionen-Investition rentiert, müssen Halbtagsgrundschulen schließen. Schulentwicklungsplaner in
den Kommunen arbeiten bereits daran. Schulministerin Barbara Sommer ist dennoch zuversichtlich,
denn „die Hauptschule bekommt ein deutlicheres Profil, um bestehen zu können. Sie ist die
berufsvorbereitende Schulform“, sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung. Auch deren Schüler verdienten
eine Chance.

Das meinten auch die Kommunalpolitiker in Borchen. Sie wollen ihre Hauptschule um eine Realschule
ergänzen und beide nach neuem Schulgesetz als Verbundschule führen. Dem versagte Sommer aber
ihre Zustimmung. Sigrid Beer, Paderborner Grünen-Landtagsabgeordnete, will sogar einen Schritt
weitergehen als die Borchener. „Die Anmeldeüberhänge im Gesamtschulbereich der Stadt Paderborn
zeigen, dass längst der Bedarf für eine dritte Gesamtschule besteht. Eine Gesamtschule des Kreises
würde in Borchen einen guten Standort finden, meint Beer.

Die Hauptschule sei nicht mehr zu retten, meint der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Er
erneuerte seinen Vorschlag, die Hauptschulen in allen Bundesländern mit den übrigen Schulformen
der Sekundarstufe I neben dem Gymnasium zu einer „Sekundarschule“ zusammenzufassen.
Das dreigliedrige deutsche Schulsystem ist ins Wanken geraten. Im CDU-geführten Land Schleswig-
Holstein werden Gemeinschaftsschulen gegründet und Hessen schafft die Hauptschule ab.

© 2007 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung, Samstag 03. März 2007

 

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