Paderborner Grüne fordern dritte Gesamtschule - Westfälisches Volksblatt

Zeit für dritte Gesamtschule!
Schulpolitiker attackieren Stadt

Paderborn (WV). In der Schullandschaft müssen die Wegweiser neu gesetzt werden. Darin ware sich alle Teilnehmer eines von den Paderborner »Grünen« veranstalteten Podiumsgesprächs über die künftige Schulentwicklung einig.
»Die Eltern entscheiden anders als die Landesregierung sich das wünscht«, leitete Ratsfrau Vera Esders (Grüne) am Montag Abend die ordentlich besuchte Veranstaltung im Awo-Begegnungszentrum ein. Dass
als Ausweg aus der verfahrenen Situation - Überkapazitäten in Gesamtschulen, Gymnasien und
Realschulen bei einem Ausbluten der Hauptschulen - nahezu einhellig nur die flächendeckende Einführung
der Gemeinschaftsschule in der Sekundarstufe I genannt wurde, lag freilich auch an der
stromlinienförmigen Zusammensetzung des Podiums. Hier saßen lediglich Sprecher der Grünen und der
SPD sowie der Lehrerverbände GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und VBE (Verband
Bildung und Erziehung). Vertreter von CDU und FDP sowie des Philologenverbands fehlten, obwohl sie
eingeladen waren.
»Nicht die Hauptschule ist krank, sondern das System«, meinte der VBE-Landesvorsitzende Udo
Beckmann. »Die Eltern wollen sie nicht mehr, und die anderen Schulformen geben ihre Probleme an sie
ab.« Auch die GEW-Bezirksvorsitzende Sabine Unger forderte die Abkehr von der Mehrgliedrigkeit des
NRW-Schulsystems, das zu einer schädlichen Selektion der Kinder schon im Alter von zehn Jahren führe.
Scharfe Kritik übten sowohl die Paderborner Schulausschussvorsitzende Eva Kremliczek (SPD) als auch
die Grünen-Landtagsabgeordnete Sigrid Beer aus Paderborn an der lokalen Schulpolitik. »Für Eltern mit
dem Schulwunsch Gesamtschule tut sich seit langer Zeit in Paderborn nichts mehr«, ärgerte sich Beer über die Jahr für Jahr hingenommene Abweisung von potentiellen Gesamtschülern in mehrfacher Klassenstärke.

»Die Zeit ist reif für eine dritte Gesamtschule im Kreis!«

Während Beckmann dafür plädierte, im ländlichen Raum Verbundmöglichkeiten von Haupt- und
Realschulen zu nutzen, nannte Kremliczek diesen Kompromiss einen »Schritt zur Seite«. Er sei nicht
konsequent und funktioniere auch nur als eine »Form von Selektierung«. Ziel müsse die
Gemeinschaftsschule sein.

Spannend dürfte es angesichts der verhärteten Fronten morgen in der Sitzung des Paderborner
Schulausschusses werden, in dem die Konsequenzen aus den Anmeldezahlen zu den weiterführenden
Schulen im Januar gezogen werden sollen. Wie berichtet, mussten 148 zur Gesamtschule in Elsen
angemeldete Kinder abgewiesen werden. Auch an einigen Gymnasien und Realschulen kommt es zu
Kapazitätsengpässen. Nur diese aber will die Stadt durch eine Ausweitung der noch im November
festgelegten Zügigkeit beheben.

Für die Ausschussvorsitzende ein Unding. »Die Verwaltungsvorschläge sind nicht mehr als ein
Verschiebebahnhof«, schimpfte Kremliczek vom Podium herab. »Den Mehranmeldungen an den
Gymnasien und Realschulen trägt man Rechnung, den Gesamtschul-Eltern nicht.«

 

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