Paderborner Grüne fordern dritte Gesamtschule - Neue Westfälische

Grüne wollen eine dritte Gesamtschule

Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft der Schule“

Paderborn (rtm). „Nicht die Hauptschulen sind krank, sondern unser Schulsystem ist krank“,
bilanzierte Udo Beckmann, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VEB), während
einer Podiumsdiskussion der Paderborner Grünen zum Thema „Zukunft der Schulen“ im
Begegnungszentrum der Arbeiterwohlfahrt in der Leostraße.

Neben dem Verbandschef diskutierten am Montagabend die Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW), Sabine Unger, Eva Kremliczek (SPD), Vorsitzende des
Paderborner Schulausschusses und der SPD-Fraktion im Rat, und Sigrid Beer, bildungspolitische
Sprecherin der grünen Landtagsfraktion.

In einem Punkt waren sich alle Podiumsteilnehmer einig: Das neue NRW-Schulgesetz bringe wenig
Verbesserungen und stifte oftmals nur Verwirrung bei Schülern, Lehrern und Eltern. Besonders in das
Visier der Experten geriet dabei der so genannte Prognoseunterricht: Die Grundschule gibt eine
„Empfehlung“ ab, die festlegt, welche weiterführende Schulform ein Kind besuchen wird. Möchten
Eltern sich anders entscheiden, dann wird der Schüler zu einem so genannten Prognoseunterricht
gebeten. „Sogar wenn ein Kind laut Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums geeignet ist, sich
aber für die Realschule entscheidet, muss es zum Test-Unterricht“, empörte sich Eva Kremliczek und
sah darin den Beweis, dass das neue Schulgesetz mit „heißer Nadel“ gestrickt worden sei.

Siegrid Beer kritisierte vor allem die Selektion der Schüler ab Klasse vier. Moderne Schulpolitik müsse
individuell fördern und die Gemeinschaft stärken statt zu separieren. Dem pflichtete Sabine Unger von
der GEW bei. Die Gewerkschaftsfrau betonte, dass Deutschland bei jenen Schulstudien weit vorne
liege, die sich nur mit den Leistungen der Grundschüler befassen. „Weil wir da bereits eine sehr
erfolgreiche Gemeinschaftsschule haben.“

Die Bildungsexperten warfen der Stadt Paderborn vor, „einen Verschiebebahnhof“ einrichten zu
wollen, bei dem der Elternwille nicht berücksichtigt werde. Der Hintergrund: 148 Eltern, die ihr Kind
an der Elsener Gesamtschule angemeldet hatten, mussten auf eine andere Schulform ausweichen (die
NW berichtete). Beer: „Eltern, die den Erstwunsch Gesamtschule haben, aber keinen Platz bekommen,
stehen seit Jahren allein!“ Das könne so nicht so bleiben, meinte die Landtagsabgeordnete. „Die Zeit
für eine dritte Gesamtschule in Paderborn ist reif“, gab sich Beer überzeugt.

Dem stimmte Eva Kremliczek grundsätzlich zu, verwies aber auf die Mehrheitsverhältnisse im Rat, und
darauf, wie schwierig es gewesen sei, etwa die Gesamtschule Elsen einzurichten. „Die Gesamtschule
oder Gemeinschaftsschule liegt in der Hand der Eltern“, wünschte sich die Ratsfrau einen „viel
größeren Elterndruck“, der die politische Arbeit flankierend unterstützen könne.

Morgen, Donnerstag, befasst sich der Schulausschuss mit Konsequenzen aus den jüngsten
Anmeldezahlen.

© 2007 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung, Mittwoch 07. März 2007

 

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