Mehr Zeit zur Sprachförderung gewonnen

09.08.2007

Düsseldorf - Für Schulministerin Barbara Sommer (CDU) gehört der Begriff „durchfallen“ mittlerweile zum Unwort des Jahres. Vor wenigen Monaten hatte ihr die Opposition vorgehalten, dass bereits Vierjährige im Kindergarten einem prägenden negativen Erlebnis ausgesetzt seien, wenn sie den Sprachtest nicht bewältigen könnten - eben durchgefallen seien.

Mittlerweile, seit die vorläufigen Ergebnisse vorliegen, haben sich die Wogen etwas geglättet. „Man muss die Hektik aus dem Verfahren herausholen“, beschwört Sommer ihre Kritiker. Für sie zähle im Ergebnis lediglich, dass Kinder mit ungenügenden Sprachkenntnissen rechtzeitig vor der Einschulung eine Chance erhielten, später im Unterricht mit den anderen Schülern mithalten zu können. Sie habe durchaus damit gerechnet, dass rund ein Fünftel der Vierjährigen Sprachprobleme habe. Bei den früheren Einschul-Untersuchungen wenige Monate vor Schulbeginn seien bei rund 15 Prozent der Kinder Sprachdefizite festgestellt worden. „Jetzt stellen wir die Mängel früher fest und haben länger Zeit, etwas dagegen zu tun“, erklärte Sommer.

Wie Familienminister Armin Laschet einräumt, habe es im Zusammenhang mit den Sprachtests durchaus berechtigte Kritik gegeben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärte gestern, sie erwarte von der Landesregierung eine gründliche Revision der Tests. Schulministerin Sommer und Jugendminister Laschet stünden im Wort, ein kindgerechtes Verfahren zu entwickeln. GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber forderte weiterhin, Kinder, die keine Tagesstätte besuchten, in die Sprachförderung einzubeziehen. „Wenn Kitas externe Kinder aufnehmen, müssen dafür aber genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, äußerte, es sei ein richtiger Schritt, die Sprachtests auf der Grundlage der Kritik zu überprüfen. „Es darf nicht nur um Schönheitskorrekturen gehen.“ Sommer und Laschet wollten an einem Kardinalfehler der Konzeption festhalten: Auch weiterhin sollen Grundschullehrer die Erhebungen durchführen. Sinnvoll wäre hingegen, wenn Erzieherinnen und Erzieher hierfür herangezogen würden, die die Kinder aus ihrer täglichen Arbeit kennen. Die Landesregierung schiebe rechtliche Bedenken vor. Faktisch werde hier die Finanzfrage versteckt: Kostenneutral können nur die Lehrer für die Tests eingespannt werden. „Den Preis zahlen dafür die Grundschulkinder mit Unterrichtsausfall“, sagte Beer.

Sommer wies derweil Äußerungen der Gewerkschaften zurück, wonach aufgrund der Tests 150 000 Fehlstunden bei den prüfenden Lehrern entstanden seien. Sie sprach von maximal 34 000 Fehlstunden.

 

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