Bekenntnis gegen Erkenntnis

09.08.07

Christliche Ersatzschulen in der Diskussion

VON NICOLE HILLE-PRIEBE

Bielefeld. Das Thema Kreationismus sorgt zurzeit bundesweit für Aufregung, nicht zuletzt, seitdem sich die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) dafür ausgesprochen hat, die biblische Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht aufzunehmen. Doch so weit muss man gar nicht gehen, um den Lehren bibeltreuer Christen, die das Alte Testament wörtlich nehmen und Darwins Evolutionstheorie anzweifeln, zu begegnen – sie werden auch an staatlich anerkannten evangelikalen Bekenntnisschulen in der Region verbreitet, unter den Augen der Schulaufsicht oder an ihnen vorbei.

Als bekannt wurde, dass an der Bielefelder Georg-Müller-Schule ein nicht zugelassenes evolutionskritisches Lehrbuch im Biologieunterricht eingesetzt und Religionsunterricht ohne Vokation (kirchliche Bevollmächtigung) erteilt wird, fragten sich viele: Wie kann das sein? Auch die Landtagsabgeordneten Günter Garbrecht (SPD) und Sigrid Beer (Grüne) waren irritiert, als sie von den Unregelmäßigkeiten hörten – die Schulaufsicht wurde aufgrund von Missverständnissen zwischen dem Bielefelder Schulamt und der Bezirksregierung Detmold über Jahre nicht wahrgenommen.

Garbrecht ist mit den Antworten, die Schulministerin Barbara Sommer (CDU) jetzt auf seine Anfrage im Landtag gegeben hat, nicht wirklich zufrieden. „Die Frage der Kontrolle hat die Ministerin umschifft“, sagt der Abgeordnete. In der Antwort heißt es: „Der Schulträger hält von sich aus vielfältigen Kontakt mit der Schulaufsicht.“ Mit anderen Worten: Eine Kontrolle hält man an der christlichen Ersatzschule, die wegen der großen Nachfrage zurzeit aus allen Nähten platzt, anscheinend nicht für nötig.

Erst die Berichterstattung dieser Zeitung hatte die Bezirksregierung zu einer Überprüfung veranlasst. „Aufgrund der örtlichen Diskussion um die an der Schule vermittelten Unterrichtsinhalte gerade vor dem Hintergrund der vom Schulträger als Glaubensinhalt vertretenen kreationistischen Auffassung hat die Bezirksregierung Detmold die Georg-Müller-Gesamtschule aktuell überprüft und kommt zu keinen Beanstandungen“, heißt es in dem Schreiben. Garbrecht hält angekündigte Kontrollen jedoch für wenig erkenntnisbringend. „Man sollte Wege finden, die darüber hinaus zu einem konstruktiven Dialog zwischen Land, Kommune und Ersatzschulträger führen.“ Hinter dieser Auffassung steht Garbrechts Sorge, dass der Wissensstand der Schüler wesentlich von dem allgemeinen Standard abweichen wird, „wenn das Alte Testament als Grundlage der Menschwerdung vermittelt wird. Solche Schulen müssen
den Lernstandard erfüllen, und dazu gehört nicht, dass die Erde 6.000 Jahre alt ist.“

Bei der Frage der fehlenden Vokation der Religionslehrer sieht nicht nur die Landesregierung einen Verstoß der Schule. Auch die Evangelische Kirche von Westfalen wird sich mit diesem Thema nach der Sommerpause intensiv befassen.

© 2007 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Donnerstag 09. August 2007

 

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