Nordrhein-Westfalen führt sechsjähriges Lehramtsstudium für alle ein

11.09.07

Gleiche Besoldung wird geprüft / Beschränkter Zugang zum Master
zwd Düsseldorf (uvl).

Die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen plant bis 2011 eine Umstellung der universitären Lehramtsausbildung auf Bachelor und Master. Dem dreijährigen Bachelor schließt sich ein zweijähriger Master an, danach folgt ein einjähriger Probedienst, der mit dem Staatsexamen abschließt. Das Studium selbst wird künftig in eigenen Fakultäten stattfinden, heißt es in einem Eckpunktepapier für ein „Lehrerausbildungsgesetz“, das das Kabinett am 11. September beschlossen hat.

Der Kabinettsbeschluss orientiert sich an den Empfehlungen einer Kommission unter dem Vorsitz des Berliner Bildungsforschers Jürgen Baumert. Demnach plant die Regierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) fünf verschiedene Lehramtsstudiengänge: für die Grundschulen, Sonderschulen, Berufskollegs sowie für Haupt- und Realschulen und Gymnasien. Letztere drei Studiengänge qualifizieren auch für den Einsatz in einer Gesamtschule. Damit ist NRW zusammen mit Sachsen das einzige Land, in dem alle LehrämtlerInnen gleich lang ausgebildet werden. Dass die Landesregierung an den unterschiedlichen Ausbildungsinhalten für die verschiedenen Schulformen in der Sekundarstufe I festhält, ist in den Augen der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, unverständlich. Beer: „Die gemeinsame Schule wird kommen – in der Lehrerausbildung sollte die Landesregierung frühzeitig die Weichen richtig stellen.“

Ausbildung wird 100 Millionen Euro teurer

Bis 2015 wird die Reform der Lehrkräfteausbildung nach Angaben des Wissenschaftsministeriums 100 Millionen Euro zusätzlich kosten. Das sei vor allem der längeren Ausbildungszeit für die Grundschullehrkräfte geschuldet, so ein Sprecher des Ministeriums zum zwd. Dafür müssten zusätzliche DozentInnen eingestellt werden. Auch sollen Didaktik und Erziehungswissenschaft einen größeren Anteil am Studium erhalten. Ziel sei, „dass ein angehender Lehrer nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen seines Fachs beherrscht, sondern es auch lernt, Unterrichtsinhalte bestmöglich zu vermitteln“, betonte Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP).

Lob für die Pläne der Regierung Rüttgers gab es von den Bildungsgewerkschaften. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Meyer-Lauber bezeichnete die Eckpunkte als „bundesweit zukunftsweisend“. Ein gleichlanges Studium für alle trage zur Aufwertung des Lehrerberufs bei und etabliere endlich die von der GEW geforderte Gleichwertigkeit der Lehrämter aller Schulstufen. Da das erste Staatsexamen mit der geplanten Reform entfällt, muss es nach Auffassung von Meyer-Lauber aber für alle BewerberInnen eine Garantie für den anschließenden Vorbereitungsdienst geben. Auch der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Ludwig Eckinger, sieht in den nordrhein-westfälischen Reformplänen ein Modell für alle anderen Bundesländer. Mit dem Eckpunktepapier sei die Feststellung der Baumert-Kommission aufgegriffen worden, wonach es keinen wissenschaftlichen Grund für unterschiedlich lange Studiengänge für die einzelnen Lehrämter gäbe.

Übergangsquoten noch nicht festgelegt

Unklar ist, wie viele Bachelor-AbsolventInnen tatsächlich ins Master-Studium vorgelassen werden. Das sollen die Hochschulen nach Auskunft des Wissenschaftsministeriums eigenständig entscheiden. Es werde allenfalls einen Rahmen geben, der sich nach dem Bedarf des Arbeitsmarkts richte, hieß es aus dem Ministerium. Allerdings erwarte er auch nicht, dass sämtliche BachelorabsolventInnen in den Master wechseln wollen. Ob die künftige Gleichwertigkeit aller Lehramtsstudiengänge auch eine gleiche Besoldung der Lehrkräfte mit sich bringt, liegt nach Aussage des Sprechers vom Wissenschaftsministerium nahe. Es werde gerade in den Ressorts geprüft. Die Grünen im Düsseldorfer Landtag hatten genau dies gefordert. Die gleiche Bezahlung sei nur konsequent, unterstrich Bildungssprecherin Beer. Das mache das Grundschullehramt für Männer attraktiver.

 

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