Lehrer fürchten Besoldungsreform

12.09.07

Neue Lehrerausbildung schafft neue Begehrlichkeit

VON BERNHARD HÄNEL

Düsseldorf. Gespaltener kann kein Echo sein als das der verschiedenen Lehrerverbände auf die gestern verkündeten Eckpunkte für die Reform der Lehrerausbildung. Dem unverblümten Bravo der Lobby der Haupt- und Realschullehrer schloss sich ein lautes Buh der im Philologenverband organisierten Gymnasiallehrer an. Die einen sehen sich aufgewertet und hoffen auf eine höhere Besoldung. Das könnte nur zu Lasten der Gymnasialen gehen, befürchten die Philologen, wagen es aber nicht auszusprechen.

„Unausgewogen und extrem risikobelastet“ nennt Philologenverbandschef Peter Silbernagel die Pläne der Landesregierung. So sei „aus Qualitätssicht“ die Verlängerung der Studienzeit und die Verkürzung der „fundierten, effizienten und hoch anerkannten 2. Ausbildungsphase im Vorbereitungsdienst“ ein „eindeutiger Rückschritt“. Dies aber sehen nicht nur die Fachminister Andreas Pinkwart (Hochschule) und Barbara Sommer (Schule) anders, sondern auch die oppositionellen Grünen. Deren bildungspolitische Sprecherin Sigrid Beer begrüßte gestern „ausdrücklich, dass die Landesregierung die Gleichwertigkeit der Lehrämter anerkennt“.

Dies ist es, was bei dem vornehmlich Grund- und Hauptschullehrer organisierenden Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie beim Realschulverband (RLV) die Sektkorken knallen ließ. Endlich sehen sie sich formal auf Augenhöhe mit den Gymnasiallehrern gehoben. Zu diesem Zeitpunkt schon über Geld zu sprechen, halten sie für unangemessen. Doch hinter vorgehaltener Hand ist davon bereits die Rede. Gestern nahmen ihnen das die Grünen ab. „Gleiche Anerkennung – gleiche Bezahlung“, forderten sie.

Die rechtliche Möglichkeit dazu hätte die Landesregierung. Durch die Föderalismusreform ist die Beamtenbesoldung Länderangelegenheit geworden. Schon Schulministerin Gabriele Behler (SPD) hatte vor vielen Jahren über einen eigenen Lehrertarif nachgedacht. Und welcher Finanzminister träumte nicht von einer Angleichung auf niedrigerem Niveau – etwa beim Einstiegsgehalt? Selbst die vage Ankündigung von Pinkwart und Sommer, darüber werde man in der nächsten Legislaturperiode sprechen, nährte Hoffnungen bei den einen, bei anderen löste sie tiefe Depression oder völlige Sprachlosigkeit aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hüllte sich komplett in Schweigen.

Funkstille herrscht seit Freitag letzter Woche zwischen Realschullehrer- und Philologenverband. Knall auf Fall wurde vom RLV die seit 16 Jahren bestehende Kooperation im sogenannten Nordrhein- Westfälischen Lehrerverband (NRWL) aufgekündigt. „Die Realschullehrer wollen sich freischwimmen“, kommentierte ein Philologe die plötzliche Scheidung. RLV-Mitglieder wiederum sprachen schon länger von einer „tödlichen Umarmung“ durch die Gymnasiallehrer, die die knappe Mitgliederzahl von 4.500 weiter schrumpfen ließe. Der Auslöser für die Entfremdung liegt in der Schulstrukturdebatte, die die Landesregierung zwar nicht führen will, die aber längst die Lehrerverbände erreicht hat. RLV-Chef Ulrich Brambach sucht händeringend nach einem eigenständigen Profil für seine Schulform. Allerorten wollen Kommunen Haupt- und Realschulen miteinander verbinden. Brambach will dies verhindern und fordert ein eigenständiges Abitur für die Realschulen. So betrachtet, hinkt die Lehrerausbildungsreform der Wirklichkeit im Lande hinterher.

Auf Profilsuche: Ulrich Brambach, Vorsitzender des Realschullehrerverbands.

© 2007 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Mittwoch 12. September 2007

 

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