Kein Kind ohne Mahlzeit?

09.10.07

Die Anträge der Schulen auf Mittagessen-Zuschüsse für bedürftige Kinder liegen im Landesministerium vor. Skeptiker befürchten, dass die zehn Millionen Euro des Landesfonds nicht für alle reichen.

Essen. Seit zehn Tagen wird im NRW-Schulministerium in Düsseldorf gerechnet, ob die zehn Millionen Euro im Landesfonds "Kein Kind ohne Mahlzeit" für alle Kinder reichen, die die NRW-Kommunen dafür angemeldet haben. Die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer macht die ausführliche Rechenoperation stutzig. "Es ist zu befürchten, dass das Geld hinten und vorn nicht reicht", sagte sie der WAZ. Aus dem Ministerium hieß es, spätestens Ende dieser Woche lägen die Zahlen vor.


Landesweit hatte die Initiative des CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers Beifall gefunden. Mitte August wurde der Fonds kurzfristig beschlossen, um Kindern aus armen Familien einen Zuschuss zum warmen Schulessen zu zahlen. "Wir wollen vermeiden, dass Eltern darauf verzichten, ihr Kind an einer Ganztagsschule anzumelden, weil sie die Kosten für das Mittagessen scheuen", hatte Schulministerin Barbara Sommer (CDU) erklärt. Unbürokratisch und schnell könnten bis zu 50 000 Kinder Unterstützung vom Land erhalten. Zehn Millionen Euro stehen dafür in 2007 zur Verfügung, weitere zehn Millionen Euro in 2008.

Ob das Geld reicht, ist zurzeit offen. Schon vor Ablauf der Antragsfrist lagen allein den Bezirksregierungen Köln, Düsseldorf und Detmold Anträge im Gesamtvolumen von 6,5 Millionen Euro vor. Arnsberg und Münster wollten sich zu Zahlen nicht äußern.

Wie viele Eltern ihr Kind nicht zur Ganztagsschule oder zum Mittagessen anmelden, weil sie die üblichen 2,50 Euro pro Tag nicht erübrigen können, weiß niemand. Dass es sie gibt, steht für Rita Rzyski, Leiterin des Duisburger Schulverwaltungsamtes, aber fest. "Ich kann mir gut vorstellen, dass mehr Eltern ihr Kind zum Essen anmelden, wenn es preiswerter wird", sagt sie. Es gebe bereits Schulen in der Stadt, die - neben dem warmen Mittagstisch oder ausschließlich - einen Mittags-Imbiss anbieten: Obst, Brote, Quark oder Salate für 50 Cent am Tag.

Rzyski begrüßt den Landesfonds sehr. Und hat die Anträge frühzeitig eingereicht: rund 1500 Grundschüler sowie gut 300 weitere Schüler sind in Duisburg förderwürdig. Ihre Zahl werde 2008 auf 2200 steigen. Der Zuschuss aus dem Landesfonds liegt bei einem Euro pro Kind und Schultag, 200 Euro im Schuljahr. Wenn die Stadt - oder Sponsoren - 50 Cent zuschießen, verringert sich der Elternbeitrag auf einen Euro pro Tag. "Das ist auch für diese Familien machbar", so Rzyski.

Der eine Euro pro Kind summiert sich in Duisburg auf rund 360 000 Euro für 2007. Rzyski: "Wir gehen davon aus, dass das Land uns dieses Geld zuweist. Unser Antrag erfüllt alle Auflagen."

Ihr Kollege Willi Bach im Essener Schulverwaltungsamt ist gleichfalls begeistert vom Landesfonds. "Diese Unterstützung ist eine sehr gute Sache, sie war aber auch dringend vonnöten." Noch im August beschloss der Schulausschuss einstimmig, das Angebot zu nutzen. Die Stadt hat für 3233 Schüler den Zuschuss beantragt, rund 647 000 Euro für 2007. Bach ist sich sicher, dass "der Bewilligungsbescheid in Kürze kommt". Die Stadt Bochum hat 924 Grundschüler und 148 Kinder der Klassen fünf bis sieben gemeldet, was 214 000 Euro Zuschuss für 2007 ergibt. Zudem hat der Rat einen Förderverein gegründet, der Sponsorengelder sammelt. Mitfinanziert werden damit Schulbücher oder das warme Essen. Und Dortmund hat für 2400 Kinder 480 000 Euro beantragt.

Doch dass der Fonds die Summe der gestellten Anträge deckt, bezweifelt die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer. "Wir haben 300 000 Kinder und Jugendliche in NRW, deren Eltern arm sind - der Fonds reicht aber nur für maximal 50 000 Kinder. Das ist doch viel zu kurz gestrickt."


09.10.2007 Von Sigrid Krause
WAZ

 

zurück

Information: Wie die Presseresonanz von uns gepflegt wird

 

Aus medienrechtlichen Gründen können wir keine vollständigen Presseresonanzen auf dieser Homepage abbilden. So weit es uns möglich ist, stellen wir die entscheidenen Passagen zu Sigrid Beer dar und verweisen per Link auf die vollständigen Publikationen bei ihren Herausgebern.

Es ist möglich, dass einige Links aufgrund dieser Verfahrensweise nach einiger Zeit nicht mehr funktionieren können. Wir bitten dies zu entschuldigen.