Grüne Bildungsexpertin für Auflösung von Förderschulen

10.10.07

Beer: Kinder mit Lernschwächen sollen Vielfalt an Regelschule erfahren / Wittekindshof-Besuch

Bad Oeynhausen (epd).
Die bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion in Düsseldorf,
Sigrid Beer, hat einen Perspektivenwechsel in der Schulpolitik gefordert. Bei einem Besuch der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen sprach sich Beer für die schrittweise Auflösung von Förderschulen mit Förderschwerpunkt Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung aus. Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf sollten nicht von vornherein an eine Förderschule verwiesen werden, erklärte Beer nach Angaben des Wittekindshofes vom Dienstag. "Wir müssen die Inklusion voranstellen. Das heißt, im Normalfall sollen alle Kinder und Jugendlichen eine Regelschule besuchen."

"Das Aussortieren von Menschen treiben wir in dieser Gesellschaft oftmals auf die Spitze", kritisierte Beer. Viele Kinder aus Migrantenfamilien oder schwierigen sozialen Verhältnisse würden heute die ehemaligen Sonderschulen für Lernbehinderte besuchen. "Das Handicap dieser jungen Menschen ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem, das nicht durch die Zuweisung in eine Förderschule gelöst werden kann", betonte die Bildungsexpertin.

Einen Lösungsansatz sieht Beer im gemeinsamen Unterricht an einer Regelschule. Es sollten zuerst alle Wege des gemeinsamen Unterrichts mit entsprechender sonderpädagogischer Begleitung durch Sonderpädagogen erprobt werden, bevor ein Kind an eine Förderschule verwiesen würde, forderte sie. Für eine positive Lernentwicklung sei eine spannungsvolle, lebendige Vielfalt sowohl in kognitiver als auch in sozialer Hinsicht erforderlich. In den Förderschulen für geistige, körperliche und motorische Entwicklung sollten nur die Kinder und Jugendlichen unterrichtet werden, die sich an Regelschulen trotz individueller sonderpädagogischer Förderung nicht angemessen beschulen ließen, sagte Beer weiter.

Nach Auffassung des Leiters der Wittekindshofer Förderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder, Andreas Becker-Brandt, leisten Förderschulen auch Integrationsarbeit. "Wir unterrichten Kinder, die aufgrund ihres herausfordernden Verhaltens manchmal schon monatelang überhaupt nicht mehr zur Schule gegangen sind", erklärte er. "Wir schaffen Integration, wenn solche Schüler zumindest stundenweise wieder am Unterricht teilnehmen können."

Regelschulen seien wegen des hohen Unterstützungsbedarfs in integrativen Lerngruppen zudem Grenzen gesetzt, sagte der Schulleiter weiter. "Zu uns kommen Eltern, deren Kinder in der Regelschule in allen Pausen alleine herumstehen, keine Freunde haben und auch zu keinem Geburtstag eingeladen werden." Die Eltern erhofften sich von der Förderschule, dass ihre Kinder dort Freunde mit ähnlichen Interessen und vergleichbaren Entwicklungsstand finden.

Der Wittekindshof unterhält eine Förderschule für Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Fast 70 Prozent der 184 Schülerinnen und Schüler sind den Angaben nach schwerstbehindert. Der Förderschwerpunkte der Schule liegt auf der geistigen sowie körperlichen und motorischen Entwicklung der Jungen und Mädchen. Beer zeigte sich beeindruckt vom Unterrichtskonzept, das speziell für sehr schwer und mehrfach behinderte Kinder entwickelt wurde.

"Der Wittekindshof hat hier seit vielen Jahren Erfahrungen gesammelt, die er anderen Schulen zur Verfügung stellen sollte", sagte die grüne Landtagsabgeordnete.

Internet: www.wittekindshof.de (b10047/9.10.2007)

epd-West Nr. 195 vom 10. Oktober 2007

 

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