Keine Trendwende nach PISA?

30.10.2007

Düsseldorf (ddp-nrw). Das Bildungssystem in Nordrhein-Westfalen ist laut einer aktuellen Studie weiterhin nicht wettbewerbsfähig. «Das Land wird bis 2010 weit hinter das durchschnittliche internationale Bildungsniveau zurückfallen», sagte der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Universität Duisburg-Essen am Dienstag in Düsseldorf.

Gemeinsam mit Gewerkschaftern und Wissenschaftlern zog der Professor eine Zwischenbilanz des «Bochumer Memorandums» zur Bildungspolitik. Während die Landesregierung zurückhaltend auf die Studie reagierte, forderte die Opposition mehr Bildungsausgaben in NRW.

Der Abstand zwischen den internationalen Durchschnittswerten in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und NRW vergrößere sich, weil das Land nur «im Schneckentempo» seine Anstrengungen für bessere Kindergärten, Schulen und Universitäten steigere, sagte Klemm. NRW habe beispielsweise zwischen 2003 und 2005 den Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung nur von 19 auf 21,5 Prozent steigern können. Im OECD-Schnitt sei der Anteil im gleichen Zeitraum auf hohem Niveau von 33 auf 36 Prozent erhöht worden.

Große Probleme gebe es bei der Chancengleichheit und bei der Bekämpfung des Bildungsversagens von Kindern und Jugendlichen, sagte Klemm. So liege die Quote der Klassenwiederholer an Hauptschulen in NRW mit 4,8 Prozent immer noch viel zu hoch. «Die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss ist seit dem Jahr 2003 nur minimal von 6,8 Prozent auf 6,6 Prozent gesunken», sagte Klemm.

Vor zwei Jahren hatte Klemm mit Wissenschaftlern, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das «Bochumer Memorandum» begründet. Mit der Initiative wurden die Politiker damals im Landtagswahlkampf 2005 aufgefordert, das Land Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2010 an den OECD-Bildungsdurchschnitt der PISA-Studie heranzuführen.

Das Schulministerium wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Studie «in wesentlichen Teilen auf veraltetem Zahlenmaterial» basiere. Wesentliche Teile entsprächen somit einem «Abschlussbericht der alten rot-grünen Landesregierung». Fast alle relevanten Zahlen hätten sich unter der schwarz-gelben Regierung verbessert.

Die Opposition sah sich durch die Daten des «Bochumer Memorandums» in ihrer Kritik an der Koalition bestätigt. «Die vorgelegte Zwischenbilanz verdeutlicht einmal mehr, dass Anspruch und Wirklichkeit in der schwarz-gelben Landesregierung deutlich auseinanderklaffen», sagte die SPD-Schulexpertin Ute Schäfer. Die Zwischenbilanz sei «erschreckend», sagte die Grünen-Politikerin Sigrid Beer. Zur schwarz-gelben Halbzeit stünden die Schulen in Nordrhein-Westfalen «im Abseits», so die Landtagsabgeordnete.

«SPD und Grüne haben in ihren Regierungsjahren den bildungspolitischen Karren tief in den Dreck gefahren», sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser. Mit dem nach dem Regierungswechsel verabschiedeten neuen Schulgesetz sei die Koalition jetzt dabei, das Bildungssystem zu reformieren. «Tausende neue Lehrer» habe das Land seit 2005 eingestellt, sagte die FDP-Schulpolitikerin Ingrid Pieper-von Heiden. Damit werde die Quote der Sitzenbleiber in den kommenden Jahren weiter deutlich sinken.

(ddp)

 

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