Ein 'Pyrrhussieg' im Münsterland

12.12.2007

NRW. Sommer verhindert Gemeinschaftsschul-Versuch. Das Thema wird sie wieder einholen.


DÜSSELDORF. Das Kapitel Horstmar/Schöppingen als widerspenstige "gallische Dörfer" in der Schullandschaft ist erst einmal zu Ende - doch vieles spricht dafür, dass die Geschichte an anderer Stelle fortgesetzt wird. Die von den beiden Kommunen geplante Gemeinschaftsschule, in der alle Kinder von Klasse 5 bis 7 zusammen unterrichtet werden, liegt nicht auf Düsseldorfer Regierungslinie. "Unser Antrag ist aus politischen Gründen derzeit leider nicht genehmigungsfähig", fasste Horstmars Bürgermeister Robert Wenking (CDU) zutreffend zusammen. Es war keine Sensation mehr.

Hintergrund der vom Bildungsforscher Ernst Rösner "erdachten" Schulform, in der Kinder erst ab der achten Klasse auf Gymnasien, Real- und Hauptschulen aufgeteilt werden, sind sinkende Schülerzahlen. Damit das Veto nicht ganz so schroff daherkam, schlug Schulministerin Barbara Sommer (CDU) den Kommunen eine "Lösung" vor, die im Streit um die Schulstrukturen alle Vorgaben der Regierung Rüttgers erfüllt: sie rüttelt nicht am dreigliedrigen Schulsystem und hält die Tür für längeres gemeinsames Lernen der Kinder fest verschlossen. Über eine Kooperation mit dem benachbarten Steinfurt sollen in Horstmar und Schöppingen alle Schulformen bis Klasse 10 im Verbund verfügbar sein.

VBE wirft Sommer vor, den Elternwillen zu ignorieren

Während Sommer für ihren eigenen Vorschlag zügig grünes Licht signalisiert, wirft der Verband Bildung und Erziehung (VBE) ihr vor, nicht nur den Elternwillen zu ignorieren, sondern auch ein pädagogisch durchdachtes Konzept. Für SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer wurde eine "Chance vertan", und die grüne Bildungsexpertin Sigrid Beer kritisiert, Sommer blockiere mit ihrem "Dogma" die Schule von morgen. VBE-Landeschef Udo Beckmann ist sich sicher, dass die Regierung Rüttgers einen "Pyrrhussieg" errungen hat - das Thema werde sie bis zur Landtagswahl 2010 verfolgen.

Zwar sieht Sommer den Beleg erbracht, dass das geltende Schulgesetz flexible Lösungen bei sinkenden Schülerzahlen anbiete. Aber längst bröckelt dieses Credo auch innerhalb der Koalition. In der FDP kündigte als erster Landeschef Andreas Pinkwart mit seinem öffentlich inszenierten Vorstoß für eine "regionale Mittelschule" den schwarz-gelben Konsens auf. Als Rüttgers ihn zurückpfiff, holte er sich dafür die Rückendeckung des Landesvorstands. Auch für die Bürgermeister aus dem Münsterland ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ihren Antrag für eine Gemeinschaftsschule ziehen sie nicht zurück. (NRZ)

DerWesten
THEO SCHUMACHER



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