Keine Gemeinschaftsschule für Horstmar und Schöppingen

12.12.2007

zwd Düsseldorf (gev). Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat das Gemeinschaftsschulprojekt der Kreisstadt Horstmar und der Gemeinde Schöppingen im Münsterland gestoppt. Die Schulministerin des Landes, Barbara Sommer (CDU), hat stattdessen ihren Alternativvorschlag durchgesetzt. Die zuständigen Bürgermeister Josef Niehoff (parteilos, Schöppingen) und Robert Wenking (CDU, Horstmar) akzeptierten am 12. Dezember den Vorschlag. Sie bedauerten aber, sich von ihrem „guten Modell“ verabschieden zu müssen.

Die Ministerin hat das Projekt Gemeinschaftsschule von Schöppingen und Horstmar nach Angaben der Bürgermeister aus „schulfachlichen, gesetzlichen und politischen Gründen“ nicht genehmigt. Der Alternativ-Vorschlag von Sommer sieht vor, in Horstmar zwei Klassen des etwa acht Kilometer entfernten Steinfurter Gymnasiums unterzubringen. Ab der neunten Klasse sollen die SchülerInner dann die Oberstufe des Gymnasiums in Steinfurt besuchen. Zudem werden die Gemeinde Schöppingen und die Stadt Horstmar eine Verbundschule mit Realschule und Hauptschulzweig gründen. Der Schulstandort soll die Gemeinde Schöppingen sein.

In den benachbarten Orten von Schöppingen und Horstmar gibt es abgesehen von zwei Hauptschulen keine weiterführenden Schulen. Beide Schulen kämpfen jedoch mit Akzeptanzproblemen. Rund 80 Prozent der SchülerInnen wechseln an die Realschulen und Gymnasien in Ahaus und Steinfurt. Um ihren Wohnort attraktiver zu machen, hatten die Kommunalpolitiker in Düsseldorf einen Antrag gestellt, bei sich weiterführende Bildungsgänge einzurichten. Nach dem Konzept sollten die SchülerInnen in den ersten sieben Jahren in einem Klassenverband zusammen lernen. Ab Klasse war teilweise getrennter Unterricht vorgesehen.

Sommer ignoriert Elternwillen

Das geltende Schulgesetz biete flexible und pragmatische Lösungen insbesondere auch bei sinkenden Schülerzahlen an, betonte Sommer. Die demographische Entwicklung sei kein Grund, das dreigliedrige Schulsystem in Frage zu stellen. Kritik am Verbot aus Düsseldorf kam von der rot-grünen Opposition im Düsseldorfer Landtag. „Sommer ignoriert damit nicht nur den durch eine Umfrage belegten Elternwillen in Horstmar und Schöppingen, sondern auch die wissenschaftlichen Empfehlungen für längeres gemeinsames Lernen aller Schülerinnen und Schüler“, sagte SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer. Nach Ansicht der bildungspolitischen Sprecherin der Fraktion, Sigrid Beer, ist die Absage aus dem Schulministerium eine „Gesichtwahrung der Landesregierung zu Lasten der Kommunen, Kinder und Jugendlichen in den Gemeinden“. Auch in Horstmar und Schöppingen werde nun weiter über die Bildungschancen der Kinder im Alter von neun oder zehn Jahren entschieden, kritisierte Beer. Unterstützung erhielt Sommer dagegen vom Koalitonspartner FDP. „SPD und Grüne können ihre Einheitsschule einpacken. Ihre Forderung ist reif für die ideologische Mottenkiste und gehört endlich vom Tisch“, bekräftigte die schulpolitische Sprecherin der Liberalen, Ingrid Pieper-von Heiden.

Kein Wettbewerb zwischen gegliederten System und neuen pädagogischen Konzepten

Laut dem Vorsitzenden der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung in Nordrhein-Westfalen (VBE NRW), Udo Beckmann, zeige der Beschluss, dass der Wille der Eltern kaum gelte. Die Landesregierung propagiere den Wettbewerb zwischen den Schulen, wolle sich aber dem Wettbewerb zwischen dem gegliederten System und neuen pädagogischen Modellen offenbar nicht stellen. Beckmann verwies zudem auf Schleswig-Holstein, wo unter der Regierung einer rot-schwarzen Koalition Gemeinschaftsschulen entstehen können. Der Kompromiss könne das Konzept der Gemeinschaftschule, das auf Durchlässigkeit der Bildungsgänge und längerem gemeinsamen Lernen beruhe, nicht ersetzen.

ZWD
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