„Rechtlich zweifelhaft und pädagogisch absurd“

25.01.08

newsgo.de
Wochenspiegel Paderborn

Marcus Kaiser

Delbrück/Düsseldorf (WS). „Die Realschule Delbrück wird vom Ministerium gezwungen, nachträglich Kopfnoten für das erste Schulhalbjahr zu vergeben. Die Kriterien für Kopfnoten hat die Schule erst kürzlich erarbeitet. Für eine Notenvergabe müssen aber die Kriterien am Beginn eines Bewertungszeitraums vorliegen. Schüler und Eltern müssen von vorneherein wissen, wie und was beurteilt wird. Und es muss im Zweifel auch belegbar sein, welche Leistungen wann erbracht worden sind oder wofür in welcher Situation eine Note vergeben wird“ so die heimische Landtagsabgeordnete der Grünen, Sigrid Beer, zur anhaltenden Diskussion um die Kopfnotenverweigerung in der Realschule Delbrück.

Sigrid Beer weiter: „Deshalb ist es auch vom Rechtsverständnis einer Notenvergabe richtig, nicht nachträglich Noten zu vergeben. Dass das Ministerium über die Bezirksregierung diese rechtlich zweifelhafte Notenvergabe erzwingen lässt, spricht für sich. Es geht nicht um die Sinnhaftigkeit einer Regelung, sondern um eine schlichte Machtdemonstration."

„Schon generell“, so die Abgeordnete, „liegen landesweit gegen die Kopfnoten Tausende von Widersprüchen vor. Denn die Vergabe wird je nach Schule völlig unterschiedlich gehandhabt. Es gibt keine einheitlichen Kriterien. Die unsinnigen Mehrarbeiten von zwei Millionen Schulstunden, immerhin 180 zusätzliche Noten pro 30 Schüler haben zu massivem Unterrichtsausfall geführt. Nicht zuletzt deshalb und auch wegen der pädagogischen Unsinnigkeit, sind viele Schulen dazu übergegangen "Pauschalkopfnoten" zu vergeben. Dabei werden diese Grundwerte von Schulen wiederum gang unterschiedlich angesetzt. So haben die einen grundsätzlich ein "gut" vergeben, andere grundsätzlich ein "sehr gut". Das führt konkret zu Bewerbungsnachteilen um einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz und ist alles andere als rechtlich einwandfrei."

„Die Verantwortung für dieses Kopfnoten-Tohuwabohu im Land tragen jedoch nicht die Schulen“, so die Sprecherin für Bildungspolitikabschließend, „sondern liegt bei Ministerin Sommer. Unisono protestierten die Lehrerverbände. Erst kürzlich haben Schülerinnen und Eltern eindruckvoll in Düsseldorf in einem Protestmarsch gegen die Ungerechtigkeiten bei der Kopfnotenvergabe demonstriert. Schulen, die erprobte differenzierte Aussagen zu Arbeits- und Sozialkompetenzen den Zeugnissen beigefügt haben, wurden verdonnert, Ziffernnoten zu vergeben. Die Aussagen dieser Noten sind jedoch, wie die landesweite Kopfnotenpraxis zeigt, unseriös. Eltern und Schüler legen deshalb massenhaft Widersprüche ein. Wenn es an die Kopfnotenvergabe auf Abgangszeugnissen im zweiten Halbjahr geht, dürfte es bis vor die Gerichte gehen. Es ist rechtlich noch nicht geklärt, ob das Ministerium überhaupt eine Kopfnotenvergabe für die privaten Ersatzschulen anordnen darf."



 

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