Fluchtburg vor dem Turbo-Gymnasium

11.02.2008

ZWD

zwd Düsseldorf (uvl). Die Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen werden im kommenden Schuljahr voraussichtlich bis zu 15.000 SchülerInnen ablehnen müssen. Ungefähr ein Viertel aller Viertklässler würden an einer Gesamtschule angemeldet, fast neun Prozent von ihnen könnten nicht aufgenommen werden, geht aus Berechnungen des Landeselternrats der Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen (LER) und der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG) hervor.

„Die Anmeldezahlen im Jahr 2008 weisen es nach: Die Gesamtschule boomt weiter – die Eltern stimmen wie in den vergangenen Jahren mit den Füßen ab“, sagte LER-Vorsitzende Anette Plümpe am 8. Februar in Düsseldorf. Der Ansturm auf die Gesamtschulen hat laut LER und GGG hauptsächlich drei Gründe. Eltern würden der von den Grundschullehrkräften getroffenen Vorhersage der Schullaufbahn misstrauen, auch gebe es kaum Eltern, die mit Freuden ihr Kind an die Hauptschule schicken. Überdies habe die nicht durchdachte Verkürzung der Zeit bis zum Abitur im Gymnasium (Stichwort „G8“) zu weiterer Verunsicherung geführt. Durch die Einführung des Zentralabiturs werde zudem die Gleichwerigkeit zwischen dem Abitur am Gymnasium und an den Gesamtschulen deutlich.

Zwiespältiger Erfolg

GGG-Landeschef Werner Kerski sieht die hohen Anmeldezahlen mit einem lachenden und weinenden Auge. Eltern würden den Erfolg der Gesamtschule mit immer größerer Nachfrage honorieren. „Unerfreulich ist, dass für eine so hohe Zahl von Eltern die erste Wahl in eine zweite Wahl umgewandelt werden muss, weil die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen das Angebot bei weitem übersteigt.“

Die schwarz-gelbe Landesregierung gilt als Verfechterin eines gegliederten Schulsystems. Lokale Initiativen zur Gründung von neuen Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen erteilte sie mehrfach eine Absage. Die Landesregierung verhindere die Neugründung von Gesamtschulen durch eigenwillige Rechtsauslegungen und massive Verunsicherung von Eltern und Kommunen, kritisierte Plümpe. Unter anderem untersagte das von Barbara Sommer (CDU) geführte Schulministerium die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule im münsterländischen Horstmar und Schöppingen. Auch blockiere sie Gesamtschulneugründungen in Bonn und Siegburg.

Opposition fordert Ende der gesamtschulfeindlichen Politik

SPD und Grüne im Düsseldorfer Landtag forderten die Regierung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) auf, ihre gesamtschulfeindliche Politik aufzugeben und Neugründungen zuzulassen. Die Landesregierung dürfe den Elternwillen nicht länger ignorieren, den sie ansonsten so gern hochhält, betonte die Schulexpertin der SPD-Fraktion, Ute Schäfer: „Die Eltern wollen die Schullaufbahn für ihre Kinder offen halten, sie wollen den Ganztag und vor allem wollen sie dem durch das Turbo-Abitur verursachten Schulchaos entgehen.“ Nach Auffassung von Sigrid Beer, Bildungssprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, sind die fehlenden Gesamtschulplätze „nichts anderes als staatlich organisierter und ideologisch motivierter Raub der Lebenschancen und Ausdruck der schwarz-gelben Betonmentalität“. Würden die Plätze an anderen Schulformen fehlen, stünde die Schulwelt Kopf und die Ministerin könnte ihre Koffer packen.

 

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