„Stadt legt Karten nicht auf den Tisch“

14.02.08

© 2008 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung

Pantke (SPD) und Beer (Grüne) kritisieren angesichts der jüngsten Anmeldezahlen die Schulpolitik

Paderborn (NW/st). „Die Anmeldungen zu den weiterführenden Schulen in Paderborn spiegeln deutlich die Probleme des gegliederten Schulsystems und die Folgen einer verfehlten Schulpolitik der Landesregierung wider.“ SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Martin Pantke wies gestern angesichts der am Montag von der Stadt veröffentlichten Zahlen darauf hin, dass 88 Prozent der Eltern ihre Kinder an Realschulen, Gymnasien oder Gesamtschulen angemeldet hätten. Sorgenkind bleibe die Hauptschule.

Lediglich 12 Prozent der Eltern wollten ihre Kinder an der Hauptschule unterrichten lassen. Damitstagnierten deren Zahlen auf niedrigem Niveau und zeigten die Skepsis der Eltern gegenüber demHauptschulbildungsgang.

„Von einer Trendumkehr, wie noch im letzten Jahr lauthals aus Düsseldorf zu hören war, kann nun wirklich nicht die Rede sein“, so Pantke. Er sieht für die Hauptschule massive bildungspolitische und soziale Probleme. Es sei zwar im Sinne der im Augenblick dort lernenden Kinder erfreulich, wenn endlich auch die CDU den Ausbau des Ganztagsbetriebs an Hauptschulen auf ihre Fahnen geschrieben habe. Ebenso sei die zusätzliche Beschäftigung von Sozialarbeitern überfällig. Pantke vertrat jedoch die Ansicht, dass NRW trotzdem nicht um eine Veränderung der Schulstruktur herumkommen werde.

„Die CDU/FDP-Koalition muss diese Diskussion endlich führen und nicht mundtot machen.“

Das bessere Konzept sei es, die Kinder länger gemeinsam zu unterrichten und sie voneinander und miteinander lernen zu lassen. In der Grundschule werde gezeigt, dass das nicht auf Kosten der Leistungsstarken gehe. Es sei die Schulform, die im internationalen Vergleich am besten abschneide.

Fortgesetzt habe sich in Paderborn wie in ganz NRW der starke Trend zur Gesamtschule. Grund für den Run auf diese Schulform seien auch die Probleme bei dem von der CDU zu verantwortenden Turbo-Abitur an den Gymnasien, das zu einer enormen Unterrichtsverdichtung in den unteren Jahrgangsstufen geführt habe.

An der Gesamtschule hingegen kann das Abitur nach 13 Jahren abgelegt werden. Pantke: „Hier findet eine Abstimmung mit den Füßen statt. Die Eltern wollen die Schullaufbahn für ihre Kinder offen halten, sie wollen den Ganztag und vor allem wollen sie dem durch das Turbo-Abitur verursachten Schulchaos entgehen.“

Was in Paderborn verschwiegen wird

Die Bildungsexpertin der Landtagsfraktion der Grünen und frühere Paderborner Ratsfrau Sigrid Beer kritisierte angesichts der Anmeldezahlen, die Stadt lege ,,die Karten nicht auf den Tisch“. Die Landtagsabgeordnete: „In Paderborn wird verschwiegen, dass wiederholt mehr Kinder an der Gesamtschule Elsen abgelehnt wurden, als für die Neugründung einer vierzügigen Gesamtschule notwendig wären.“

Beer forderte gestern die Stadt auf, „offenzulegen, wie viele Eltern in Stadt und Kreis für ihre Kinder keinen wunschgemäßen Platz an Gesamtschulen in Paderborn erhalten haben“. Das Verschweigen der Anmeldezahlen passe zum Vorgehen der schwarz-gelben Landesregierung, die den offensichtlichen Trend ebenso missachte. Landesweit hätten „tausende Kinder“ keinen Platz an dieser weiterführenden Schulform gefunden. „Es ist empörend, wie Stadt und Land mit dem dokumentierten Elternwillen umgehen.“

Die Eltern, so Beer, wollten Lern- und Lebenschancen offen halten und keine Festlegung auf Bildungswege im Alter von zehn Jahren. Sie wollten keine Zwangszuweisung zur Hauptschule, „mit der dann auch noch deren Statistik aufpoliert wird“. Die Eltern reagieren mit ihren Anmeldungen auch auf die „missglückte Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre“ – aber auch „auf das krampfhafte Verweigern von mehr Integration im Schulsystem“.

Die Abgeordnete der Grünen: „Eltern wollen die besten Chancen für ihre Kinder. Genau das bieten die erfolgreichen, leistungsstarken Gesamtschulen.“

 

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