Beer spricht vom Raub der Bildungschance

15.02.08

Auch SPD will dritte Gesamtschule

Von Manfred Stienecke
Westfalen-Blatt

Paderborn (WV). SPD und Grüne haben die Stadt Paderborn aufgefordert, Konsequenzen aus den jüngsten Anmeldungen zu den weiterführenden Schulen zu ziehen und über eine weitere Gesamtschule nachzudenken.

»Es ist empörend, wie Stadt und Land mit dem dokumentierten Elternwillen umgehen«, beklagt die heimische Landtagsabgeordnete der Grünen, Sigrid Beer, die »Betonmentalität«, wenn es um die Errichtung von gewünschten Gesamtschulen gehe. »Die fehlenden Gesamtschulplätze sind nichts anderes als staatlich organisierter und ideologisch motivierter Raub der Lebenschancen.«

Beer fordert die Paderborner Schulverwaltung auf, über die Zahl der abgewiesenen Kinder an der Gesamtschule in Elsen Auskunft zu geben. »Die Stadt Paderborn legt die Karten nicht auf den Tisch«, so die Grünen-Politikerin. »In Paderborn wird verschwiegen, dass wiederholt mehr Kinder an der Gesamtschule Elsen abgelehnt wurden als für die Neugründung einer vierzügigen Gesamtschule notwendig wären.« Stadt und Kreis Paderborn seien in der Pflicht, hier zu reagieren. Die Eltern wollten keine »Zwangszuweisung zur Hauptschule, mit der dann auch noch deren Statistik aufpoliert wird.«

Auch der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Martin Pantke wertet das Anmeldeverhalten der Eltern als eine »Abstimmung mit den Füßen.« Die Eltern wollten den Ganztagsunterricht und vor allem dem »durch das Turbo-Abitur verursachten Schulchaos entgehen.« Das Sorgenkind der CDU/FDP-Schulpolitik bleibe die Hauptschule. »Lediglich zwölf Prozent der Eltern wollen ihre Kinder an dieser Schulform unterrichten lassen«, hat Pantke ausgerechnet. »Damit stagnieren die Zahlen auf niedrigem Niveau.«.

Die Vorsitzende des Paderborner Schulausschusses, Eva Kremliczek (SPD), hat gegenüber dieser Zeitung die Errichtung einer dritten Gesamtschule im Kreis Paderborn gefordert. Die SPD werde mit einem entsprechenden Antrag auf die weiter gestiegenen Anmeldezahlen für diese Schulform reagieren, sagte sie.

Auch der schulpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Alois Lienen, lehnt die Einrichtung einer dritten Gesamtschule nicht grundsätzlich ab, plädiert aber für ein weiteres Beobachtungsjahr. »Sollte der Trend anhalten, dann wird die Stadt über eine dritte Gesamtschule nachdenken müssen.«

Den »Einbruch« bei den Anmeldungen zum Gymnasium (131 weniger als im Vorjahr) führt Lienen auf die Verkürzung der Schulzeit von neun auf nur noch acht Jahre bis zum Abitur zurück. Auch zeige sich, dass viele Eltern eine Ganztagsbetreuung an den weiterführenden Schulen wünschten. Hier müsse nicht nur im Gymnasialbereich, sondern auch bei den Realschulen etwas passieren. »Von den Schulen werden jetzt wohl entsprechende Forderungen kommen - und die halte ich für berechtigt.«

 

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