Kommt die Einheitsschule ?

21.02.08

VON NADIA JOPPEN
RP online

Stadt Willich (RP) Wie sieht es aus in der bildungspolitischen Diskussion in NRW? Mit dieser Frage beschäftigten sich Politiker und Zuhörer bei einer Podiumsdiskussion der Volkshochschule Kreis Viersen in der Robert-Schuman-Gesamtschule.

Die Kreis-Volkshochschule hatte eine hochkarätig besetzte Podiumsrunde für das Thema „Gymnasium ade? Kommt die Einheitsschule?“ eingeladen: die schulpolitischen Sprecher im Landtag Klaus Kaiser (CDU), Ute Schäfer (SPD und frühere NRW-Schulministerin), Sigrid Beer (die Grünen) und Dietmar Brockes (FDP, stellvertretendes Mitglied im Landtags-Ausschuss für Schule und Weiterbildung). Mit WDR 2-Moderator Tom Hegermann war eine informative und humorvolle Gesprächsführung gesichert, die zur Qualität der Diskussion beitrug.

Bei den Beiträgen wurde klar, dass der Begriff „Einheitsschule“ differenziert zu sehen ist: Schäfer kritisierte, dass oft der Schulabschluss an die soziale Herkunft des Schülers gekoppelt ist, das hätten Studien belegt. Die frühe Aufteilung der Kinder in die verschiedenen Schulformen trage zu dieser Situation bei, deswegen fordere die SPD einen längeren gemeinsamen Unterricht aller Kinder bis mindestens zur Klasse sechs in einer „Gemeinschaftsschule“ – und den Ausbau des Gesamtschul-Angebots, weil das Elternwille sei. Es sei zu spät, den 60. Wiederbelebungsversuch der Hauptschule zu starten.

Auch Beer vertrat die Auffassung, dass „die Eltern wissen, was längeres gemeinsames Lernen wert ist“, das zeigte die Tatsache, dass es mehr Anmeldungswünsche als Plätze an den NRW-Gesamtschulen gebe. Kaiser und Brockes vertraten die Auffassung, dass eine Änderung der Schulstrukturen nichts bringe, die Qualität des Schulsystems müsse gesteigert werden, und „wir brauchen ein System, das Anschlüsse schafft“, so Kaiser – bis zum Studium oder der dualen Ausbildung. In NRW hänge Bildung vom Portemonnaie der Eltern ab, deswegen entscheide die Gestaltung des Unterrichts. Schäfer forderte, dass die Lehrer bei der Einführung einer Gemeinschaftsschule weiter ausgebildet werden müssten.

Zur Frage Hegermanns, ob der „Run auf die Gesamtschule“ nicht vor allem ein „weg von der Hauptschule“ sei, äußerten sich Kaiser und Brockes differenziert: Es sei zu beachten, dass zum Beispiel das Handwerk in Bayern sehr viele Azubis aus der Hauptschule einstelle, so Brockes. Kaiser sagte, dass die Landesregierung gezielt zuerst die Hauptschulen auf den Ganztagsbetrieb umstelle. Bei der Diskussion mit den Zuhörern wies Roland Schiefelbein, Leiter der Gesamtschule Nettetal darauf hin, dass 2007 an seiner Schule von 35 Abiturienten nur einer für einen Wechsel an ein Gymnasium empfohlen worden war.

Die informative und sachliche Diskussion endete nach 90 Minuten – schade war, dass die Aula höchstens zu einem Viertel besetzt war und sich nur Pädagogen aus dem Gesamtschulbereich äußerten. Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern, für die die aktuelle Schuldiskussion in NRW relevant ist, nutzten die Informationsmöglichkeit offensichtlich kaum.

 

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