Politik soll nachbessern

12.03.2008

WAZ
Der Westen
Von Janis Brinkmann

Hörde. Das Thema erhitzte bereits im Vorfeld die Gemüter: Seit ihrer Einführung debattieren Eltern, Schüler und Lehrer über den Sinn von Kopfnoten. ...

... In der Aula des Phoenix-Gymnasiums trafen sich Politiker zu einer lebhaft geführten Podiumsdiskussion.

"Die Schulzeit ist ein Schonraum, in dem man auch mal ausflippen darf"
Ursula Forthaus Rektorin am Phoenix

"Ein lebenslanges Stigma, das die Schüler mit sich herum tragen"
Sigrid Beer Die Grünen

Um eines vorweg zu sagen: Alle Beteiligten, ob die "Betroffenen" im Auditorium oder die "Macher" auf der Bühne, sahen gravierende Mängel in der Umsetzung des neuen Schulgesetzes. Das Vergabeverfahren der Noten für Arbeits- und Sozialverhalten wurde von allen Seiten scharf kritisiert, wobei besonders die zusätzliche Arbeit für die Kollegien und die fehlenden einheitlichen Bewertungskriterien im Fokus der Ablehnung standen. Die von Stadtteil-Zeitungs-Redakteur Dr. Norbert Jacobs geleitete Diskussion schnitt jedoch auch den generellen Nutzen der Kopfnoten an, wobei sich eine lebhafte Debatte entzündete.

"Kopfnoten sind prinzipiell eine sinnvolle Einführung, da sie Rückmeldungen über Kompetenzen geben, die fernab des reinen Lernstoffes vermittelt werden", zeigte sich Heinz Dingerdissen (FDP), selbst Lehrer am be-nachbarten Goethe-Gymnasium, vom Nutzen der Noten überzeugt, schränkte jedoch ein, "dass bei dem Verfahren deutlichst nachgebessert werden muss". Als "absolut ungerecht" empfand dagegen die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, "dieses lebenslange Stigma, das die Schüler nun mit sich herum tragen".

Diese Meinung fand Anklang bei den meisten Schülern im Publikum. "Ich bin doch mit 20 nicht mehr die Gleiche, die ich mit 13 war", beschwerte sich eine Schülerin über die Kopfnoten, die nach dem Schulabgang in jedem Bewerbungsgespräch und Auswahlverfahren eine Rolle spielen werden. Leider ohne Aussagekraft, wie Rektorin Ursula Forthaus immer wieder feststellt: "Die Schulzeit ist ein Schonraum, in dem man auch mal ausflippen darf, ohne dass sich alles gleich im Lebenslauf festsetzt".

Neben dem "Brennpunkt Abschlusszeugnis" sehen zahlreiche Lehrer in dem zeitlichen Mehraufwand eine unhaltbare Tatsache. "Ich unterrichte 200 Schüler und musste an einem Morgen 1200 Kopfnoten geben. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren", bezieht Lehrer Wilfried Nordick eine klare Position gegen die "Mogelpackung". Seine Rektorin machte anschließend ein kleines Rechenspiel auf: "Wenn wir über jeden Schüler nur drei Minuten sprechen, dann dauern die Konferenzen volle 65 Stunden."

An dieser Stelle wurde der Bedarf an Nachbesserungen besonders deutlich. "Wir hoffen, dass die Landesregierung bald zurückrudert", mahnt Thomas Trampe-Brinkmann (SPD) eine Abkehr von der aktuellen Politik an, "die Schule immer als Spielwiese missbraucht".

"Stellen sie sich vor, ihre Lehrer hätten damals Kopfnoten gegeben", empfahl Rektorin Forthaus. Irgendwie mochte sich das aber niemand auf dem Podium gerne vorstellen.

 

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