Lehrer gegen Assistenten

03.04.2008

Überzählige Landesmitarbeiter an Schulen versetzt

VON BERNHARD HÄNEL
© 2008 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW)

Detmold/Düsseldorf. Entlastung von Verwaltungsaufgaben verspricht die Landesregierung den Schulen durch die Abstellung überzähliger Landesbediensteter. Bis 2010 sollen landesweit insgesamt 12.000 Stellen abgebaut und den Stelleninhabern neue Aufgaben zugewiesen werden.

Erprobt wurde der Einsatz der sogenannten Schulverwaltungsassistenten in Arnsberg an zunächst 27 Schulen. „Mit überraschend großem Erfolg“, wie der Leiter des zuständigen Landesamts für Personaleinsatzmanagement (PEM), Reinhard Buschkamp, erläutert. „100 Prozent positive Rückmeldungen gab es“, sagt er. „Das habe ich noch nie erlebt.“

Jetzt geht das Modell in die Fläche. Bis zu 210 weitere Mitarbeiter (davon 28 in OWL) können sich um eine Versetzung bewerben. Sie sollen die Schulleiter und Lehrkräfte beispielsweise bei der statistischen Aufarbeitung von Schuldaten, der Betreuung von Lehr- und Lernmitteln, der Pflege der Schulbibliotheken, der Organisation von Klassenfahrten oder der Erstellung von Stundenplänen unterstützen. Der Einsatz von zusätzlichem Schulverwaltungspersonal stelle einen wichtigen Baustein zur Weiterentwicklung der Schulen dar, so Schulministerin Barbara Sommer (CDU): „Die Arbeit der Schulverwaltungsassistenten kommt vor allem den Schülern zugute, weil sich die Lehrkräfte und Schulleitungen dadurch intensiver auf die pädagogische Arbeit und die Qualitätsverbesserung der Schule konzentrieren können.“

Negative Auswirkung auf den Stellenplan

Doch die Sache hat einen Haken. Der Einsatz der Schulverwaltungsassistenten wird den Schulen auf den Lehrerstellenbedarf angerechnet. „Die Schule, die eine solche Stelle besetzt, verliert damit im Gegenzug ein Drittel einer Lehrerstelle“, beklagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann aus Bad Wünnenberg. „Ein Großteil des von der Schulministerin versprochenen Zugewinns für die pädagogische Arbeit der Lehrer findet also gar nicht statt“, sagt Sigrid Beer aus Paderborn, schulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag.

An zwei Berufkollegs sowie einem Gymnasium in OWL sind bereits Schulverwaltungsassistenten beschäftigt. „Wir sind äußerst zufrieden“, heißt es dort. Es gebe reichlich Arbeiten, die bislang teuer bezahlte Lehrer erledigen mussten. „Eine wirklich gelungene Idee“, war aus einem Berufskolleg zu erfahren.

Allerdings will man sich dort mit der Abgabe einer drittel Lehrerstelle nicht anfreunden. „Uns fehlen seit Jahren schon berufsfachliche Lehrer.“ Besorgt hingegen sind die Mitarbeiterinnen in den Sekretariaten der Schulen. Mit verständlicher Eifersucht beobachten sie die Arbeit der neuen Kollegen.

Sollten die Schulverwaltungsassistenten deren Aufgaben mit übernehmen, könnten schließlich die Kommunen auf die Idee kommen, die Sekretärinnenstellen einzusparen.

 

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