Abi 2008: Angst vor Debakel

27.05.2008

© 2008 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW)
VON BERNHARD HÄNEL

Schüler, Eltern und Lehrer fühlen sich von Sommer im Stich gelassen

Düsseldorf. Nicht nur die „Oktaeder-Aufgabe“ im Fach Mathematik treibt dem diesjährigen Abiturjahrgang die Zornesröte ins Gesicht. Völlig überzogen sei die Fülle des Arbeitsmaterials auch in den naturwissenschaftlichen Fächern, findet selbst der konservative Deutsche Philologenverband. „Viele sind zu Recht erbost über fragwürdige Vorgaben im Erwartungshorizont“, sagt NRW-Verbandschef Peter Silbernagel. Bitter enttäuscht ist auch die als regierungsnah einzuschätzende Landeselternschaft Gymnasien: „Wir rechnen mit einer nie dagewesenen Zahl von Abweichungsprüfungen“, prognostiziert die Vorsitzende Gabriela Custodis.
Fast 2.500 Unterschriften allein gegen die Bewertung der Mathematikklausur haben Schüler im Internet gesammelt. „Von der Schwierigkeit her war die Klausur auf jeden Fall nicht easy.

Aber machbar“, schreibt ein Abiturient ehrlich. „Aber die mangelnde Zeit hat meine ganze Klausurnote und somit den Abiturdurchschnitt zerstört. Danke Regierung.“
Landesschülervertreter Horst Wenzel (19): „Es wäre ein gutes Zeichen, wenn Schulministerin Barbara Sommer zugibt, dass Fehler gemacht worden sind, und neue einheitliche Bewertungsmaßstäbe an die Schulen herausgäbe.“

Das forderte Custodis schon am 2. Mai vergeblich, denn „einzelne Einsprüche und Notenbeschwerden von Schülern und Eltern können wir als Lösungen nicht akzeptieren“.
Diesen von Sommer vorgeschlagenen Weg würden nur wenige beschreiten, da „auch Ihnen bekannt sein dürfte, dass an Schulen Beschwerden und Einsprüche nicht gern gesehen sind.

Vor allem steht bei dieser Vorgehensweise die schlechte Note erst einmal auf dem Zeugnis“, schrieb Custodis der Ministerin. Schon gar kein vernünftiges Mittel sei der von Sommer bereits gehörte Vorschlag, den Klageweg gegen einzelne Noten zu beschreiten. Custodis: „Das zieht sich über Monate hin und die jungen Leute wollen schließlich schnellstmöglich mit einem guten Zeugnis an die Uni.“

Neue Bewertungsmaßstäbe aber wollte und will Sommer nicht herausgeben. Auf eine Anfrage der schulpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sigrid Beer, schreibt Sommer die Verantwortung den Lehrern zu: „Die für die Kriterien ausgewiesene Höchstpunktzahl kann auch dann vergeben werden, wenn die Leistung im Vergleich zu der beschriebenen Lösungserwartung inhaltlich wie fachmethodisch richtig ist. Dabei ist zu prüfen, ob kleinere Mängel tatsächlich eine Reduzierung der Punktvergabe rechtfertigen.“

Custodis reicht das nicht. „Ein Ausschöpfen der Bewertungsmaßstäbe ist nicht hilfreich, weil für die überwiegende Anzahl der Schüler die Bearbeitungszeit nicht ausreichte. Was nicht in einer Klausur steht, kann nicht wohlwollend bewertet werden.“ Philologenverbandschef Silbernagel bringt es auf den Punkt: „Dieses Abitur war nicht fair.“ Und er fragt nach der Vorbereitung der diesjährigen Aufgabenstellungen. „Die wurden nicht ausreichend überprüft auf ihre Bearbeitungszeit.“ Die Oktaeder-Aufgabe könne nur jemand gestellt haben, der ein spezielles Faible für analytische Geometrie habe.

Die Schüler wollen ihren Protest morgen in den Landtag tragen. Die Schulausschusssitzung wurde bereits vorsorglich in den Plenarsaal verlegt. Zu anspruchsvoll, zu umfangreich und kaum zu bewältigen: Die Beschwerden über das diesjährige Zentralabitur reißen nicht ab. Morgen tragen die Schüler ihren Protest im Landtag vor.

 

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