Fortschrittlichstes Schulgesetz in Deutschland

28.05.2008

DER WESTEN

Köln/Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen hat seine schulpolitischen Hausaufgaben einer Studie zufolge besonders gut gemacht und nimmt bei den Schulreformen bundesweit den Spitzenplatz ein. Die Opposition und die Lehrerverbände in NRW sehen dies anders.

Das ist das Ergebnis des «Politik-Check Schule» des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW/Köln), bei dem Maßnahmen zur Verbesserung der Schulbildung bewertet werden. Ein «zweifelhaftes Unternehmerlob für die schwarz-gelbe Schulpolitik» nannte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Studie.

NRW ist Spitzenreiter in der Führungsgruppe von insgesamt fünf Bundesländern - Berlin, Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Alle fünf sind mit einer glatten 2 benotet worden, wobei NRW in der Gesamtbewertung noch eine Nasenlänge besser abschnitt. «Das Land punktet durch eine weit überdurchschnittliche Reform- und Innovationstätigkeit im Schulsystem», hieß es am Dienstag.

Die IW-Studie attestiert NRW, nach dem PISA-Schock besonders gut vorangekommen zu sein. Bewertet wurden fünf Handlungsfelder. Dazu gehört etwa, wie schulpolitische Verbesserungen in den Schulgesetzen verankert sind, wie zur Qualitätssicherung Lernerfolge gemessen werden oder wie selbstständig Schulen arbeiten können. NRW sei bei seinen schulpolitischen Reformen «außerordentlich systematisch» vorgegangen, bilanziert die Untersuchung. Das Land habe Lücken bei der Qualitätssicherung geschlossen und «sehr gute Voraussetzungen geschaffen, sein Schulsystem zukunftsfähig zumachen».

«Zoff» wegen Kopfnoten
Im Einzelnen wurde es als «sehr gut» bewertet, dass NRW die Schulen verpflichte, individuelle Förderpläne aufzustellen, damit auch besonders schwache und starke Schüler ihre Fähigkeiten optimal entwickeln könnten. Die Schulen müssten ihre Qualität intern überprüfen, es seien aber auch externe Inspektionen vorgesehen. Verpflichtende Vergleichsarbeiten in allen Schulen zum selben Zeitpunkt, Lernstandserhebungen und zentrale Prüfungen sorgten ebenfalls für Qualität, meinte das IW.

Das Institut hatte die Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt. Auch das systematische Testen der Sprachkompetenz von Kindergartenkindern und gezielte Sprachförderung wurden positiv bewertet.

Die Studie nehme nur die Ankündigungspolitik der Landesregierung und nicht die wirkliche Entwicklung in den Schulen zum Maßstab der Bewertung, hieß es in einer in Essen verbreiteten Mitteilung der GEW.

Auch die Bildungsexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, meinte, aus den Schulen bekämen CDU und FDP keinesfalls gute Noten, sondern «Zoff» wegen Kopfnoten, «vermasseltem Zentralabitur» und «Ganztag ohne Ganztagsausstattung». Individuelle Förderung bleibe Papierform im Schulgesetz. «Schöne Ziele sind schnell formuliert. Auf die Umsetzung kommt es an.» Dagegen führte die SPD die guten Noten auf rot-grüne Weichenstellungen der Vorgängerregierung zurück. Gelobt worden seien «Erfolgsprojekte, die auf unser Konto gehen», meinte die schulpolitische Sprecherin der Fraktion, Renate Hendricks.

«Es kommt auf den Unterricht an»
NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) hofft unterdessen auf «ein Ende des Gerangels um die Schulstruktur. Die fünf besten Länder seien ganz unterschiedlich strukturiert. «Es kommt auf den Unterricht an», bekräftigte sie in Düsseldorf und erhielt dabei Unterstützung vom Realschullehrerverband. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung kritisierte allerdings die Dortmund, die Regierung sei nicht bereit, «Schulversuche zu bewilligen, die der strukturellen Weiterentwicklung des Schulwesens dienen».

Demgegenüber hob Sommer die Freiheiten der Schulen hervor. Die Landesregierung setze auf die Eigenverantwortung der Schulen und nicht auf Beaufsichtigung und Steuerung. «Das ist der Schlüssel für mehr Qualität.» Darüber hinaus investiere das Land mittlerweile über 700 Millionen Euro jährlich mehr in den Schulbereich als beim Regierungswechsel vor drei Jahren. Bemängelt wurde in der Studie unter anderem, dass die bisherigen Lehrpläne «zu unverbindlich und nicht transparent» seien.

Kritisiert wird auch, dass es noch zu wenig Ganztagsschulen mit einem verpflichtendem Angebot in NRW gebe, was vor allem nachteilig sei für Kinder aus bildungsärmeren Schichten. Dieses Defizit wurde allerdings bei der IW-Präsentation der bundesweiten Ergebnisse in Berlin als deutschlandweit vorhandenes Problem bemängelt. NRW habe aber auch Nachholbedarf bei der Förderung von lernschwachen Kindern und der integrativen sonderpädagogischen Förderung. (dpa)

 

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