Kampf um Abi-Noten

07.06.2008

RP-online
VON JENS VOSS

(RP) Schulministerin Barbara Sommer hat mit einer Bemerkung Riesenwirbel ausgelöst: Fachleute sind sich über die juristischen Konsequenzen im Unklaren; Schüler wittern die Chance, ihre Noten über formelle Widersprüche zu verbessern - und politisch steht zwischen den Zeilen das Bekenntnis im Raum, dass es beim Zentralabitur 2008 doch mehr Probleme gab, als bislang offiziell eingeräumt.

Der fatale Satz der CDU-Politikerin wird von der WAZ zitiert und lautet: „Wo nachgewiesen wird, dass der Stoff einer Abituraufgabe vorher nicht im Unterricht behandelt worden ist, sollten Schüler die Möglichkeit haben, die Arbeit nachzuschreiben.“ Das klingt klar, ist es aber nicht. Klar ist bislang nur der politische Flurschaden für die Ministerin: Es entsteht der Eindruck, dass sie angesichts wochenlanger Kritik vor allem an einigen Mathematik-Aufgaben einknickt und einen Ausweg anbietet.

Wie der aussehen könnte, ist strittig. Ein Sprecher der Ministerin betonte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, die Ministerin habe lediglich einen hypothetischen Fall durchdekliniert. Er wies den Eindruck eines von Fehlern durchsetzten Abiturs zurück: „Wie haben 750 Aufgaben gestellt und 3500 Seiten fachliches Material erarbeitet, und es fanden sich zwei Druckfehler.“ Alle Befürchtungen über den massenhaften Noten-Absturz von Schülern seien spekulativ: Es gebe noch keine „harten Zahlen“ über Abweichungsprüfungen. Sie werden fällig, wenn ein Schüler von der Vornote nach oben oder unten um vier Punkte (eineindrittel Note) abweicht. „Zehn bis 20 Prozent solcher Abweichungen sind normal“, so Sommers Sprecher.

Ob hypothetisch oder nicht - für die Bezirksregierung hat Sommer juristische Fragen aufgeworfen. Wenn Schüler bisher Widersprüche gegen Noten eingelegt hätten, dann habe sich das gegen als ungerecht empfundene Beurteilungen gerichtet, erläuterte ein Sprecher der Bezirksregierung auf Anfrage. „Hier geht es aber um ein Verfahren, falsche Voraussetzungen für die Prüfung auszugleichen.“ Das ist seiner Einschätzung nach Neuland: „Was wir brauchen, ist ein Erlass aus dem Schulministerium, wie damit umzugehen ist.“ Das genaue Verfahren und genaue Prüfkriterien sind demnach völlig offen.

Für Landesschülersprecher Horst Wenzel ist Barbara Sommers Satz der Versuch, Schüler gegen Lehrer auszuspielen, um von eigenem Versagen abzulenken: „Man kann doch nicht wochenlang erzählen, alles sei super gelaufen - und jetzt verspätet Fehler einräumen.“ Er glaubt zudem: Das Widerspruch-Verfahren sei so bürokratisch, dass es Schüler kaum nutzen würden - zumal die Bewerbungsfristen für die Universitäten ab Ende Juni liefen. Hier setzt auch die Opposition an: Für die Grünen im Landtag forderte Sigrid Beer schnelle Nachschreibe-Termine. Ob das juristisch zu machen ist, ist aber offen.

Der Philologenverband sieht seine Kritik am Krisenmanagement des Schulministeriums bestätigt - Verbands-Chef Peter Silbernagel sagte: „Besser wäre es gewesen, den Korrektoren bei den umstrittenen Aufgaben früh und einheitlich breitere Bewertungsspielräume zu geben.“

 

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