Sommer diffamiert die Gesamtschulen

20.08.2008

Im Westen
Theo Schumacher

Düsseldorf. Jetzt hat Barbara Sommer die Gesamtschul-Lehrer und -Eltern gegen sich aufgebracht. Grünen-Bildungsexpertin Sigrid Beer wirft der NRW-Schulministerin vor, Erfolge der Gesamtschule zu ignorieren und sie systematisch zu benachteiligen. "Das ist kein Abitur-Light".


Nach dem Bericht über das Zentral-Abitur, bei dem Gesamtschüler schwächer benotet wurden als Gymnasiasten, ist der Streit um die Gesamtschulen neu entbrannt. Ein Gespräch mit Sigrid Beer, Bildungsexpertin der grünen Landtagsfraktion.

Hatten Sie nach der Abitur-Bilanz von Schulministerin Barbara Sommer schon Kontakt zu Gesamtschulen?

Sigrid Beer: Ich bin selbst Gesamtschul-Mutter mit drei Kindern, die nicht alle eine Gymnasial-Empfehlung hatten. Sie haben trotzdem Abitur gemacht und sind heute erfolgreich in Studium und Beruf. Ich habe aber auch mit anderen Eltern und Lehrern gesprochen. Die sind empört.

Warum?

Beer: Frau Sommer diffamiert die Gesamtschulen, indem sie Fakten verdreht und verkürzt darstellt. Sie redet die Schulen schlecht anstatt ihre Integrationsleistung zu würdigen. Sie will damit vom Missmanagement ihres Ministeriums ablenken.

Beim Zentral-Abitur schnitten Gesamtschüler um eine Viertelnote schlechter ab als Gymnasiasten. Sind das verdrehte Fakten?

Beer: Für Kinder mit schwierigen Lernbiografien ist auch in der Oberstufe der Aufwand viel größer, um erfolgreich zu lernen. Das zieht sich durch ihre ganze Bildungslaufbahn und wirkt sich besonders an den Gesamtschulen aus. Deshalb muss in den oberen Klassen besonders gefördert werden. Es ist ja gerade der Erfolg der Gesamtschule, dass sie viele dieser Kinder zum Abitur bringt, obwohl sie keine Empfehlung fürs Gymnasium hatten. Das ist kein "Abitur-Light", wie Frau Sommer sagt, sondern es ist vollwertig und zentral geprüft.

Wenn die Durchfaller-Quote an Gesamtschulen fast viermal so hoch ist wie an Gymnasien, wurde dann nicht im Vorfeld zu gut benotet?

Beer: Da muss man genauer hinsehen, um welche Schüler es geht. Nach ersten Informationen scheiterten vor allem frühere Haupt- und Realschüler, die in die Oberstufe der Gesamtschule gewechselt waren. Für sie ist es offenbar sehr schwer, Anschluss zu finden. Das deutet darauf hin, dass die Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe für Seiteneinsteiger nicht ausreicht. Auch hier versagt das gegliederte System.

Sie behaupten, die Gesamtschulen würden systematisch benachteiligt. Wodurch?

Beer: Obwohl sie eine ganz andere, schwierigere Schülerschaft haben als die Gymnasien, mit denen sie ständig verglichen werden, kürzt die Landesregierung ihre Ressourcen. Sie erhalten weniger Lehrerstellen. Die Schulleiter werden weniger entlastet. Und bei Neugründungen von Gesamtschulen wird kein Ganztagsbetrieb mehr genehmigt.

Die FDP fordert neuerdings, die Oberstufe an Gesamtschulen abzuschaffen.

Beer: Von den Bildungs-Taliban der FDP habe ich nichts anderes erwartet.

Die Schulministerin will mit einem Sieben-Punkte-Plan das Leistungsniveau anheben. Reicht das aus?

Beer: Das mag ein Stützapparat für Frau Sommer sein, aber nicht für die Gesamtschulen. Sie brauchen zusätzliche Stellen, bessere Einstellungsbedingungen und dürfen bei der Zuweisung von Fachlehrern nicht mehr benachteiligt werden. Nur so kann man Kinder nachhaltig fördern. (NRZ)

 

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