Schulpolitik fängt sich eine Watsche ein

28.08.2008

DERWESTEN

Ennepetal. (neu) "Eine für Alle?!": Das war Thema einer Diskussionsveranstaltung zu der der Kreisverband Ennepe-Ruhr von Bündnis 90/Grüne ins Haus Ennepetal eingeladen hatte.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Herdecker Bundestagsabgeordneten Irmingard Schewe-Gerigk. Im Zentrum der Diskussion stand das von der schwarz-gelben Landesregierung eingeführte "Turbo-Abitur", das die Schulzeit eines Gymnasiasten von 13 auf 12 Jahre verkürzt.

Im Ausland ist das gang und gäbe, allerdings bei ganztägigem Unterricht. Hier warf man Schulministerin Sommer vor, dass sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht habe. Die Lehrpläne seien nicht entschlackt, es sei kein Ganztagesunterricht eingeführt worden und die Ministerin ignoriere, dass Kinder mittags eine warme Mahlzeit benötigen.

Der Schulleiter des Gevelsberger Gymnasiums, Jürgen Hein, konnte bestätigen, dass der Lehrstoff lediglich gestrafft worden sei, indem Vertiefungen und Wiederholungen einfach gestrichen worden seien. Das wiederum ginge zu Lasten derer, die von Haupt- oder Realschule quer in die gymnasiale Oberstufe einsteigen wollen. Vor allem intelligente Kinder mit Migrationshintergrund seien doppelt benachteiligt. Erst bekommen sie keine Empfehlung fürs Gymnasium, weil Grundschulen ihr Augenmerk hauptsächlich auf die sprachliche Kompetenz richten, dann fallen zusätzlich die Wiederholungs- und Vertiefungsstunden weg, die alle Schüler der gymnasialen Oberstufe auf den gleichen Stand bringen sollen. Vor diesem Hintergrund sprach sich der größte Teil der Anwesenden für flächendeckende Gesamtschulen aus.

Die Vorsitzende des Landeselternrates der Gesamtschulen in NRW, Anette Plümpe, begrüßte diese Einstellung der Grünen und verkündete, dass die Zeiten der "Feuerzangenbowle" endgültig vorbei seien. Abitur sei nicht mehr nur einer kleinen Elite vorbehalten. Die Schulen müssten sich endlich dem Schüler anpassen und nicht umgekehrt.

Kinderärzte und Schulpsychologen berichten schon jetzt vermehrt über Schulangst, Schlafstörungen und psychische Probleme. Der Nachhilfemarkt boomt. Das Turbo-Abitur, so befürchten die Grünen, werde diesen Trend noch verschlimmern.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Sigrid Beer, stellte den am gleichen Tag bekannt gegebenen und mit 150 000 dotierten Karl-Bertelsmann-Preis 2008 vor, der in diesem Jahr nach Kanada an das "Toronto-District-School-Board"-Projekt gehen wird. In Kanada ist es gelungen, an 550 Schulen Schüler mit unterschiedlichstem Migrationshintergrund so zu fördern, dass es im Durchschnitt keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund gibt. Mit der Preisvergabe möchte die "Carl-Bertelsmann-Stiftung" ein Zeichen für die deutsche Schulpolitik setzen.

Kritik an deutscher Schulpolitik kommt mithin von allen Seiten. Eltern und Schüler schien das Thema allerdings nicht zu interessieren. Trotz Werbung vor dem Ennepetaler Reichenbach-Gymnasium waren hauptsächlich Lehrer aus dem gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis zugegen, die ihrem Unmut über schwarz-gelbe Schulpolitik Luft verschafften.

 

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