Was Ganztagsschule kosten darf

11.09.2008

Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW)
VON BERNHARD HÄNEL

Eltern müssen für das neue Angebot bis zu 150 Euro im Monat aufbringen

Bielefeld. Kaum eine Grundschule in OWL, die nicht ein Ganztagsangebot für ihre Schüler macht. Dies geschieht in sogenannten offenen Ganztagsschulen, die in der Regel vormittags normalen Unterricht durchführen und nachmittags verschiedenste Betreuungsangebote.

Daneben gibt es zunehmend das Angebot einer „gebundenen“ Ganztagsschule. Dort ist die strikte Trennung zwischen Unterricht und Freizeit aufgehoben. Pädagogen und Schulverwaltung sprechen dann von einem „rhythmisierten“ Schultag.

Doch während das Schulministerium für dieses Ganztagsangebot in den weiterführenden Schulen einen Zuschlag von bis zu 30 Prozent für pädagogisches Personal (20 Prozent für Lehrer, weitere 10 Prozent für Sozialarbeiter) übernimmt, müssen die Grundschulen das Angebot mit deutlich geringeren Mitteln organisieren. Das Land zahlt 615 Euro pro Kind und Jahr, der Schulträgeranteil beträgt 410 Euro. Schließlich müssen die Eltern, sozial gestaffelt, pro Monat bis zu 150 Euro entrichten. Diese Sätze gelten sowohl für Kinder in offenen wie gebundenen Ganztagsgrundschulen.

An einer Ganztagsschule aber wird der Pflicht- und Wahlunterricht im Stundenplan so entzerrt, dass sich ein Schultag von ca. 8 bis 16 Uhr ergibt. Dabei bedeutet Rhythmisierung die bewusste methodische Abwechslung von fachlichem Unterricht und gemeinsamen vertiefenden Lern- und Übungsphasen.

Dieses Ganztagsangebot einer Grundschule unterscheidet sich didaktisch und methodisch allenfalls unwesentlich etwa von Hauptschulen mit gebundenem Ganztag. Dort aber werden keine Elternbeiträge erhoben, sie wären auch ein Verstoß gegen Grundgesetz und Landesverfassung von NRW. Öffentliche Schulen dürfen keine Gebühren, schon gar kein Schulgeld erheben. „Eine von den Eltern finanzierte Ganztagsschule darf es nicht geben“, meint Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag.

Der bisherige Ausbau des Ganztagsangebots geht auch zu Lasten der Grundschullehrerinnen. Auch ihr Arbeitstag erhält einen neuen Rhythmus. „Die Kolleginnen sind nicht nur begeistert“, berichtet eine Schulleiterin. Die Akzeptanz bei Eltern und Lehrern würde deutlich steigen, würden die Grundschulen vom Land ebenso gefördert wie Schulen der Sekundarstufe I.

Gleiches gilt für die Kommunen. Schließlich zahlen sie neben den vorgeschriebenen Zuschüssen zusätzlich die Gebühren für Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern oder von Hartz-IV-Empfängern.

Nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sich das Land bereits mit der geringen Finanzierung der offenen Ganztagsgrundschulen aus der Verantwortung gezogen. „Ganztagsschule muss kostenfrei unter der Regie des Staates laufen“, sagt Sabine Unger von der GEW OWL. Derzeit seien sowohl Elternbeiträge als auch die Bezahlung der Beschäftigten von der Bereitschaft der Kommunen und der Träger abhängig, mehr als das Vorgeschriebene in Bildung und Betreuung zu investieren. Das führe zu ungleichen Chancen und meistens zu Unterbezahlung der qualifizierten Beschäftigten.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) beklagt die Fixierung der Landesregierung auf echte Ganztagsangebote in der Sekundarstufe I. „Es gibt keinen Grund, den Grundschulen, die es wünschen, die Möglichkeit zu verweigern, ebenfalls den gebundenen Ganztag anzubieten und sie mit den notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen auszustatten“, meint der Landesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann aus Bad Wünnenberg.

Grundschulen müssten nach GEW-Berechnung sogar mehr als 30 Prozent Stellenzuschlag erhalten, wenn sie dieselben Zeiten abdecken wollten wie die weiterführenden Schulen; die Kinder haben ja weniger Unterrichtsstunden. Im ersten Schuljahr erhalten sie ab 1. Februar wegen des dann beginnenden Englischunterrichts 21 bis 22 und in Klasse vier bis zu 27 Stunden.

 

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