Nur noch drei Kopfnoten auf Schulzeugnissen

23.09.2008

DERWESTEN
Ruhr Nachrichten.de

Düsseldorf. Die Schüler in Nordrhein-Westfalen erhalten vom nächsten Zeugnis an nur noch drei Kopfnoten für ihr Arbeits- und Sozialverhalten. Darauf haben sich die Koalitionsfraktionen von CDU und FDP mit Schulministerin Barbara Sommer (CDU) geeinigt.

Im vergangenen Schuljahr hatte es auf den Zeugnissen insgesamt sechs verschiedene Kopfnoten gegeben. Die Koalition reagierte mit der Änderung auf die teils heftigen Proteste aus den Schulen.

Benotet werden künftig die Leistungsbereitschaft, die Zuverlässigkeit und das Sozialverhalten, berichtete Sommer. Durch die Reduzierung solle die Benotung an «Eindeutigkeit, Transparenz und Vergleichbarkeit» gewinnen. Kopfnoten werde es auch auf den Abschlusszeugnissen geben. Grundschüler erhalten die drei Noten erstmals mit dem Versetzungszeugnis in die vierte Klasse. Lehrlinge sollen auf den Berufsschulzeugnissen keine Kopfnoten bekommen. Sommer habe das Landeskabinett über die politische Verständigung informiert, sagte ein Regierungssprecher. Das Ministerium werde die Einigung jetzt umsetzen.

Die Opposition und Lehrerverbände kritisierten die Beschlüsse. Der Philologenverband sprach von einer halbherzigen Entscheidung. Die neuen Noten seinen «nicht pädagogisch überzeugend begründet», sagte der Landesvorsitzende Peter Silbernagel. «Ein typischer fauler Koalitionskompromiss, der inhaltlich nicht nachvollziehbar ist», meinte der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. Die Bereiche Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sorgfalt sowie Sozialverhalten gingen zumindest teilweise ineinander über. SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer nannte die Einteilung «völlig beliebig». Grünen-Schulsprecherin Sigrid Beer sagte, «der pädagogische Unfug auf dem Rücken der Schulen» gehe weiter.

Streit um Anzahl der Kopfnoten

Sommer hatte sich ursprünglich für eine Verringerung auf vier Kopfnoten ausgesprochen und dafür am Montagabend die Zustimmung im Koalitionsausschuss erhalten. Sie berief sich bei ihrem Vorschlag auf Empfehlungen des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung, das ein Umfrage an den Schulen ausgewertet hatte. In der CDU- Landtagsfraktion war diese Festlegung am Dienstag aber auf heftige Kritik gestoßen. CDU-Schulpolitiker waren dafür, nur zwei Noten zu vergeben. Nach intensiver Debatte einigte sich die Koalition dann auf drei Noten.

CDU-Fraktionschef Helmut Stahl bezeichnete die Einigung als «guten, tragfähigen Kompromiss». Eine Abschaffung der Kopfnoten habe nie zur Debatte gestanden. «Wir wissen, dass die Menschen wollen, dass Schule erzieht», sagte der Fraktionschef. «Außerordentlich zufrieden», zeigte sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Gerhard Papke. Er hatte sich schon vor einigen Wochen für drei Kopfnoten ausgesprochen. (dpa)

 

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