Nur noch drei Kopfnoten

24.09.2008

Westfalen-Blatt

NRW-Regierung reagiert auf Kritik - Lehrerverbände unzufrieden

Düsseldorf (dpa/WB/kol). Die Zahl der Kopfnoten auf den Schulzeugnissen in Nordrhein-Westfalen wird von sechs auf drei reduziert. Darauf haben sich die CDU und die FDP im Landtag mit Schulministerin Barbara Sommer (CDU) geeinigt.

Im vergangenen Schuljahr hatte es auf den Zeugnissen erstmals insgesamt sechs verschiedene Kopfnoten gegeben. Die Koalition reagierte mit der Änderung auf die teilweise heftigen Proteste aus den Schulen.

Künftig werden die Leistungsbereitschaft, die Zuverlässigkeit und das Sozialverhalten benotet. Diese Noten wird es auch auf den Abschlusszeugnissen geben. Grundschüler erhalten die drei Noten erstmals mit dem Versetzungszeugnis in die vierte Klasse. Lehrlinge sollen auf den Berufsschulzeugnissen keine Kopfnoten erhalten.

Unter der Rubrik Arbeitsverhalten entfällt künftig die Note für die Selbständigkeit. Das Sozialverhalten wird nur noch generell benotet, die bisherige Aufgliederung in Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit entfällt.

Barbara Sommer hatte sich ursprünglich für die Verringerung auf vier Kopfnoten ausgesprochen und dafür am Montagabend die Zustimmung im Koalitionsausschuss erhalten. In der CDU-Landtagsfraktion stieß diese Festlegung gestern aber auf heftige Kritik. Die CDU-Schulpolitiker waren dafür, nur zwei Noten zu vergeben. Nach intensiver Debatte einigte sich die Koalition dann auf drei Noten.

Kritik an den Kopfnoten hatte unter anderem die evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) geübt. Mehrere Schulen in kirchlicher Trägerschaft verweigern bisher die Benotung - mit Billigung der Kirchenleitung. Die Landeskirche will sich heute zur Neuregelung äußern.

Opposition und Lehrerverbände kritisierten die Beschlüsse. Der Philologenverband sprach von einer halbherzigen Entscheidung. Die neuen Noten seinen »nicht pädagogisch überzeugend begründet«, sagte der Landesvorsitzende Peter Silbernagel. »Ein typischer fauler Koalitionskompromiss, der inhaltlich nicht nachvollziehbar ist«, meinte Udo Beckmann, der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung. Die Bereiche Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sorgfalt sowie Sozialverhalten gingen zumindest teilweise ineinander über.

Die SPD-Fraktionsvize Ute Schäfer nannte die Einteilung »völlig beliebig«. Die Grünen-Schulsprecherin Sigrid Beer sagte, der »pädagogische Unfug auf dem Rücken der Schulen« gehe weiter.

 

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