Miese Noten für Schulpolitik

13.11.2008

Westfalen-Blatt
Von Karl Pickhardt
und Wolfram Brucks

500 Schüler und Studenten demonstrieren gegen Turbo-Abi und
Studiengebühr

Paderborn (WV). Etwa 500 Schüler und Studenten sind gestern in Paderborn auf die Straße gegangen und haben gegen die Bildungspolitik protestiert. Der Protest richtet sich gegen Studiengebühren, zu große Schulklassen, Turbo-Abitur und Unterrichtsausfall.

»Viele haben von diesem Schulsystem die Nase voll, weil so viel schief läuft«, erntete Catharina Claes (17) vom Michaels-Gymnasium als Sprecherin der
Landesschülervertretung in einer Kundgebung am Rathaus den Beifall ihrer Mitschüler. Ihr Zorn richtet sich auch gegen das so genannte Turbo-Abitur«: Der gesamte Lernstoff werde in acht Jahren nur noch reingedrückt.

Die Stimmung gegenüber Schulpolitikern aus Bund und Land ist unter Paderborner Schülern und Studenten denkbar schlecht. »Nur Sprüche«, kanzelt Student David Garritzmann (25) aus Elsen den Bildungsgipfel vom Oktober mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ab. »20 Milliarden Euro sind beim Gipfel versprochen worden«, legt Catharina Claes nach: »Aber wann«? Der so genannte Bildungsgipfel sei ein Gipfel der Frechheit gewesen, sagt Sozialreferent Pascal Mollet vom AStA Paderborn.

Von Studiengebühren, die vielen Abiturienten den Weg zum Studium verbauten, will am Mittwochmittag auf dem Rathausplatz niemand etwas wissen. »Schüler sucht Bildung ohne Gebühr«, spottet Schülerin Clara Jacobsen (16) von der Schule Schloss Hamborn auf einem Transparent. Pascal Mollet: »Arme Leute haben kein Geld zum Studieren, aber immer noch das Recht zum Protestieren«. Paderborner Schüler verlangen kostenfreien Zugang zum Studium.

Bei der Demonstration, die 12 Uhr begann, blieben Schülerinnen und Schüler aus den meisten Paderborner Schulen ohne Zustimmung ihrer Schulleitungen dem Unterricht fern. Das »unentschuldigte Fehlen« ihrer Töchter und Söhne segneten viele Eltern jedoch mit schriftlichen Entschuldigungen (» . . konnte wegen eines persönlichen Ereignisses nicht am Unterricht teilnehmen . . .«) ab. Die meisten Eltern (und wohl auch Lehrer) solidarisieren sich mit den Forderungen ihres Nachwuchses an die Bildungspolitik.

In Schloß Hamborn fiel an der Rudolf-Steiner-Schule vormittags sogar der Unterricht aus, damit sich die Waldorf-Schüler auf die Demonstration inhaltlich und auch mit Transparenten vorbereiten konnten.

Die Paderborner Grüne-Landtagsabgeordnete und Schulexpertin Sigrid Beer sprach ebenfalls von dürftigen Ergebnissen des Bildungsgipfels. Die Schüler hätten bei der Demonstration in Paderborn den Finger in die Wunden des Bildungssystems gelegt.

 

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