Neue PISA-Studie löst Diskussion über Schulsystem aus

18.11.2008

epd West

Düsseldorf (epd). Die Ländervergleichsstudie PISA-E hat eine erneute Diskussion über die Zukunft des Schulsystems in NRW ausgelöst. So warfen die Grünen im Düsseldorfer Landtag Schulministerin Barbara Sommer (CDU) "Schönreden" der aktuellen Ergebnisse vor. Die Fraktionsvorsitzende Sylvia Löhrmann forderte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) auf, eine Bildungskonferenz in NRW einzuberufen. Der DGB in NRW warnte angesichts der Defizite im Bildungssystem vor einem kommenden Fachkräftemangel. Sommer sprach dagegen von einer Trendumkehr.

Die Ergebnisse des Ländervergleichs zeigten, dass NRW einen "echten Bildungsaufbruch" brauche, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer. Die von der Schulministerin versprochenen Verbesserungen seien ausgeblieben. Auch für die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ute Schäfer, beweist der Bundesländervergleich, dass die Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen neu ausgerichtet werden muss. Das gegenwärtige Schulsystem sei nicht in der Lage, Kinder und Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern entsprechend zu fördern. Die frühere NRW-Schulministerin plädiert für eine Gemeinschaftsschule und kritisierte erneut die Einführung von Kopfnoten und "Turbo-Abitur".

Der DGB-Vorsitzende in NRW, Guntram Schneider, erklärte, mittelfristig seien die Folgen von unzureichend qualifizierten Jugendlichen negativer für die Wirtschaft als die derzeitige Finanzkrise. Schneider forderte als Sofortmaßnahme eine Erhöhung der Bildungsausgaben um zehn Prozent. Kritik kam auch von der Landesschülervertretung (LSV). Sie bemängelte vor allem die fehlende Chancengleichheit im deutschen Schulsystem. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW sprach sich dafür aus, den Fachlehrermangel umgehend zu beseitigen.

Nach dem dritten bundesweiten Ländervergleich PISA-E konnte NRW in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften seinen Platz im unteren Drittel nur leicht verbessern. So weisen Schüler in NRW gegenüber dem Vergleichssieger Sachsen einen Wissensrückstand von einem Jahr auf. Bundesweit haben sich den Angaben nach die Ergebnisse gegenüber den Tests in den Jahren 2000 und 2003 weiter verbessert. NRW kann dagegen nur im Bereich "Lesen und Textverständnis" punkten und belegt einen achten Platz unter den 16 Bundesländern. In Mathematik landete NRW auf Platz 13, in Naturwissenschaften auf Platz 14. Insgesamt schnitten nur die Stadtstaaten Bremen und Hamburg noch schlechter ab.

Sommer hatte bei der Vorstellung des Berichts die rot-grüne Vorgängerregierung für das erneut unbefriedigende Abschneiden im PISA-Vergleichstest verantwortlich gemacht. Es sei "unerfreulich", dass NRW im Ländervergleich noch immer unter dem Bundesdurchschnitt liege, sagte Sommer in Düsseldorf. Trotzdem zeige die im Mai 2006 erhobene Studie eine Trendumkehr. Den NRW-Schülern würden deutliche Leistungssteigerungen in den getesteten Bereichen attestiert.

Verbesserungen sieht Sommer besonders beim Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildung. NRW sei neben Niedersachsen das einzige Bundesland, das im Vergleich zu 2003 zu deutlich sichtbaren Verbesserungen kommt. Die Leistungsunterschiede zwischen den oberen und unteren sozialen Schichten würden sich verringern. Davon würden auch Migranten-Kinder profitieren.

epd-West ros fri

 

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