Bildungsminister geben Hauptschüler verloren

04.12.2008

Bis 2015 sollen Lernziele auf deutlich abgesenktem Niveau erarbeitet werden

Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung
VON BERNHARD HÄNEL

Bielefeld. Fast jeder zweite Hauptschüler in Deutschland liest und rechnet lediglich auf Grundschulniveau. Auf diese anhaltend schlechten Lernergebnisse wollen die Bildungsminister aller 16 Bundesländer mit der Streichung aller bislang gültigen Bildungsstandards für Hauptschüler reagieren. Dies geht aus dem Entwurf einer Beschlussvorlage an die heute tagende Kultusministerkonferenz (KMK) hervor.

Danach sollen bis 2015 „Sein und Sollen“ des Unterrichts an den Hauptschulen in Einklang gebracht werden. Die Lehrergewerkschaften nennen dies eine „bildungspolitische Kapitulation“. „Damit wird eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen, die derzeit die Hauptschule besuchen, verlorengegeben“, sagt der NRW-Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann.

Der KMK ist der Hauptschul-K.-O. offensichtlich unangenehm. In einer sogenannten „Kommunikationsstrategie“ wird vorgeschlagen, der Öffentlichkeit zu erläutern, dass die Standards für Hauptschüler lediglich „nachnormiert“ würden. Die von der KMK bislang formuliertenLeistungserwartungen würden „stärker mit der Realität des von den deutschen Schülern tatsächlich erbrachten oder zu erwartenden Leistungsstandards in Einklang“ gebracht.

Offen war gestern noch, ob die Bildungsminister Hauptschüler weiter am internationalen Schülerleistungsvergleich Pisa teilnehmen lassen wollen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde es einen vorgeschalteten nationalen Leistungstest geben, hieß es aus KMK-Kreisen.

An der Hauptschule halten vornehmlich Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden- Württemberg fest. Andere Länder schließen sie unter verschiedenen Bezeichnungen mit der Realschule zusammen. So auch Sachsen, das jüngst den Spitzenplatz beim nationalen Pisa-Vergleich belegte und zur Weltspitze aufschloss.

Für Ute Schäfer, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion aus Lage, wäre dies ein „bildungspolitischer Offenbarungseid“ der KMK. „Statt Standards abzusenken, muss man die Schüler so fördern, dass sie sie erreichen können.“
„Die Kultusminister wollen sich der sie zu Recht quälenden Debatte nicht stellen, dass unverändert ein Fünftel der Schüler im Schulsystem abgehängt und in die Perspektivlosigkeit entlassen wird“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer (Paderborn).

Da mache man lieber den Deckel drüber zu und lasse das Licht bis 2015 ausgeknipst. Schulministerin Barbara Sommer (CDU), so ein Ministeriumssprecher, sei gegen die Absenkung der Standards. Sie setze auf passgenauere Förderung durch Lehrer.

 

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