Die Suche nach Lösungen

25.06.2010

Westfalen-Blatt
Von Andrea Pistorius

Protest gegen die Schließung der Stadtteilbibliotheken formiert sich

Paderborn (WV). Die Schließung der Stadtteilbibliotheken wollen die Paderborner nicht einfach hinnehmen. An allen fünf Standorten denken sie über Alternativen nach. Bis zum 30. September hat ihnen der Stadtrat Zeit gegeben.

»Ich bin überzeugt, dass eine Lösung gefunden wird, und zwar eine zum Wohl von ganz Elsen«, sagt Annegret Greipel-Bickel, Leiterin der Gesamtschule Elsen. In dem Gebäudekomplex am Schlengerbusch ist auch die Filiale der Stadtbibliothek untergebracht, die eine Doppelfunktion hat: Sie soll die Gesamtschüler, aber auch alle Bewohner des Stadtteils mit Literatur versorgen. Dadurch wird die Lage kompliziert. »Die Stadt kann unsere Schulbücherei nicht schließen, wohl aber die Räume, in denen die Einrichtung untergebracht ist«, stellt die Rektorin klar.

Möglicherweise ist die Doppelfunktion aber auch eine Chance, denn der Förderverein der Gesamtschule hat bereits seine Unterstützung angekündigt. »Das heißt aber nicht, dass wir die Bibliothek übernehmen«, betont die Vereinsvorsitzende Sigrid Beer. Die Stadt und ihre Fachkräfte sollen nach wie vor zuständig sein. Der Förderverein, der auch die Mensa der Gesamtschule betreibt, sei aber bereit, dem Bibliothekspersonal bei Veranstaltungen wie Lesungen und Lesenächten zu helfen.
»Wir wollen alles daran setzen, gegebenenfalls bei reduziertem Personal Quantität und Qualität der Stadtteil- und Schulbibliothek Elsen zu erhalten«, heißt es in der Erklärung des Fördervereins.

Bedauert wird der Sparbeschluss des Rates auch in Schloß Neuhaus. Schüler des Gymnasiums und der Realschule nutzen die Schlossbibliothek in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihren Klassenzimmern täglich. Sie verbringen hier Freistunden und Pausen, bereiten Referate vor und versorgen sich mit Lesestoff für die Schmökerstunde zu Hause. »Unsere Schulbücherei ist sehr klein, deshalb nutzen wir die Schlossbibliothek mit«, sagt Realschulleiter Ferdinand Brüggemann.

Bernhard Gödde, Direktor des Gymnasiums, hat Bürgermeister Heinz Paus bereits schriftlich aufgefordert, eine Alternative zur Schließung der Schlossbibliothek zu überlegen und dabei Gesprächsbereitschaft und Unterstützung zugesichert. In dem Schreiben erinnert Gödde daran, dass die Schulbücherei in die Schlossbibliothek integriert wurde, als diese direkt gegenüber der Schulpforte im Schloß Neuhäuser Bürgerhaus eingerichtet wurde. Seitdem überweist das Gymnasium den Büchereibetrag aus seinem Jahresetat an die Bibliothek. Im Gegenzug wird beim Medienangebot der Bedarf der Schule berücksichtigt.

Außerdem wurde ein Computerarbeitsplatz für die Schüler eingerichtet. »Wir brauchen eine Schulbücherei, und die müssten wir neu einrichten, sollte die Schlossbibliothek geschlossen werden«, betont Gödde.

In Sande hat Vinzenz Heggen bereits einen Aufruf gestartet: Gesucht werden Bürger, die bereit sind, ehrenamtlich in einer Ortsbücherei zu arbeiten. Heggen ist Ortsheimatpfleger und zweiter Vorsitzender des Kirchenvorstands St. Marien. Sollten sich genügend Interessenten melden, dann müsse geklärt werden, wer die Trägerschaft übernimmt. Das könnte, so Heggen, die Kirchengemeinde oder das Gemeindeforum Sande sein, ein Zusammenschluss aller Vereine im Stadtteil einschließlich Kirche und Schule.

»Der Zugang zu Bildung und Kultur ist Aufgabe der Stadt und nicht auf den Privatmann zu verlagern«, sagt der Förderverein »Freunde der Stadtbibliothek Paderborn« (100 Mitglieder). Er tritt für den Erhalt der fünf Zweigstellen ein und denkt dabei insbesondere an Kinder und Senioren. Vorsitzender Lin Thiele sichert die Unterstützung des Vereins bei der Suche nach Nachfolgelösungen und Sponsoren zu, »um die Ausbildung von Ehrenamtlichen und die Ausstattung von Ersatzbibliotheken zu fördern«. Weitere Schritte sollen in der nächsten Vorstandssitzung überlegt werden.

 

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