Das Gespräch mit Landtagskandidaten gesucht

06.05.2010

newsgo.de

Pb.-Schloß Neuhaus (wS). Menschen mit Behinderungen sind eine bei Politikern oft unbekannte Wählergruppe. Das wollte der Werkstattrat der Schlosswerkstätten ändern. Er stellte den Kandidaten der Landtagswahl schriftliche Fragen und Forderungen. Die Resonanz ist gut - zwei Politiker haben sogar die Werkstätten persönlich besucht.

Der Tisch vor Sandra Jolmes und Anja Hils ist mit Papieren übersät. Die Antwortschreiben aus den Wahlkampfbüros sind teilweise sehr ausführlich ausgefallen. Da ist es gar nicht so einfach, einen Überblick zu gewinnen. Trotzdem ist Sandra Jolmes zufrieden. "Alle angeschriebenen Parteien haben geantwortet", sagt sie, "die FDP hat angekündigt, dass sie sich noch melden wird." CDU-Vertreter Daniel Sieveke hat sich als Reaktion auf das Schreiben persönlich in den Schlosswerkstätten vorgestellt und das Gespräch gesucht. Sigrid Beer von den Grünen kommt am Freitag.

Der Werkstattrat - die gewählte Vertretung der Werkstattbeschäftigten der Schlosswerkstätten - vertritt 800 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, die fast ohne Ausnahme wahlberechtigt sind: eine durchaus interessante Wählergruppe für alle Kandidaten. Allerdings haben Menschen mit Behinderungen spezielle Forderungen an die Politik.

Ein zentrales Problem ist der Werkstattlohn. Ist er zu hoch, wird er mit der Grundsicherung, die die meisten Beschäftigten erhalten, verrechnet. "Ungerecht und zu bürokratisch" findet das der Werkstattrat. Überhaupt wünscht er sich einen höheren Lohn, damit behinderte Beschäftigte nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen sind. Eine weitere Forderung zielt auf die Unterstützungsstunden für Menschen mit Behinderung, die selbstständig leben. "Die sind im Moment viel zu gering", sagt Anja Hils.

Bei den Politikern stoßen diese Fragen und Forderungen auf viel Verständnis. Auf die Frage, ob denn ein leicht verständliches Wahlprogramm der Partei vorliegt, schicken die Grünen bei ihrer Antwort gleich eins mit, die SPD gab den Internetlink an.

Sandra Jolmes geht am 9. Mai wählen und sie wird ihre Kolleginnen und Kollegen dazu ermutigen. Anja Hils will am Sonntag eigentlich ausgiebig Muttertag feiern und hatte deshalb Zweifel, ob sie es zur Wahl schafft. Jetzt ist sie sich aber sicher. Am 9. Mai wird sie ihre Stimme abgeben. Schließlich haben ja auch die Politiker auf ihre Fragen geantwortet.

 

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