Protest gegen Rechtspopulisten

05.05.2010

Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung
VON HOLGER KOSBAB

Paderborner verpfeifen und übertönen Kundgebung der Bürgerbewegung Pro NRW am Westerntor

Paderborn. Nach rund einer Stunde war der Spuk vorbei. Der Wahlkampfbus der rechten Bürgerbewegung Pro NRW war kurzerhand vom Platz vor der Herz-Jesu-Kirche auf die Bahnhofstraße gefahren und abgedüst zur nächsten Kundgebung in Soest. Zuvor hatten 150 Gegendemonstranten mit lauten Pfiffen dafür gesorgt, dass Wahlkampfinhalte wie ein gefordertes Minarettverbot komplett übertönt wurden.

Unter den Gegnern von Pro NRW waren auch die Paderborner Claudia und Mohammed Selim. Sie fühlen sich durch die „Volksverhetzung“ angegriffen. „So fing das mit den Juden auch an“, sagt Claudia Selim, die vor 24 Jahren zum Islam konvertiert ist. „Für mich mit meinem Migrationshintergrund ist es erst recht eine Pflicht hier zu stehen, um ein Zeichen zu setzen“, sagt Nuri Ayaz, SPD-Landtagskandidat und gebürtiger Assyrer-Aramäer. Pro NRW dürfe keine Chance haben, sich auszubreiten. „Dann“, so Ayaz, „wäre die gesamte Gesellschaft bedroht.“

Das Westerntor im Bereich der Herz-Jesu-Kirche war während der Kundgebung gesperrt. Die Gegner wurden von Kräften der Bielefelder Einsatzhundertschaft aufgehalten – und blockierten dabei kurzzeitig Teile der Kreuzung. Schüler, Gewerkschaftler, die politischen Parteien und ihre Jugendorganisationen hatten selbst Demonstrationen angemeldet und sich aufgemacht zu meinungsfreudigen Spaziergängen.

„Wir wollen zeigen, dass die Jugend aktiv ist und nicht unpolitisch“, sagt Jamie Hall-Brunton von der Bezirksschülervertretung. Er besucht das Westfalen-Kolleg in Paderborn, von dem sich fast 40 Teilnehmer an dem Protest beteiligten.

Es sei positiv, dass sich die demokratischen Parteien auch in der heißen Phase des Landtagswahlkampfes vereint gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stellten, meinte Grünen-Kandidatin Sigrid Beer. Jedoch hätte es auch die FDP möglich machen sollen, dabei zu sein, so Beer, die die Liberalen vermisse. Gemeinsam mit CDU-Bewerber Daniel Sieveke riss sie ein Pro-NRW-Wahlplakat von einer Laterne am Westerntor und warf es in eine Tonne für „braunen Müll“. Passenderweise hatte die Junge Union „Jeder Extremist ist Mist“ auf einem Transparent stehen. Einige der friedlichen Gegendemonstranten – es gab lediglich eine vorläufige Festnahme wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot – verulkten die Bürgerbewegung aus dem Rheinland mit Plakataufschriften wie „Rheinländer raus“ und der Forderung nach einem Kirchturmverbot.

Zuerst hatte Pro NRW vor dem Rathaus auf Stimmenfang für die Landtagswahl gehen wollen, dies war von der Stadt Paderborn nicht genehmigt worden.

 

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