Revolutionäre von 1980 feiern 30. Geburtstag

11.01.2010

Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung
VON HOLGER KOSBAB

Grüne starten mit Neujahrsempfang in den Wahlkampf

Paderborn. 17 Komma plus, auf diesen Prozentanteil an Stimmen bei der NRW-Landtagswahl in 120 Tagen hofft Paderborns Grünen-Sprecher Günther Bunte-Esders. Davon konnte die Partei zu ihrer Geburtsstunde vor 30 Jahren nur träumen. Denn auch wenn sie mit ihrem Neujahrsempfang im Restaurant an den Fischteichen an den Ort ihrer ersten Sitzungen zurückgekehrt ist: Mit der Jugendrevolte von 1980 hat die auf Nachhaltigkeit setzende heutige Partei nur wenig gemein.

Die Gründung war am 7. Januar 1980 mit 20 Leuten bei der Evangelischen Studierendengemeinde. Seitdem sei die Partei „gereift, weg von den spinnerten Jugendgedanken“. Das sagt Günther Bunte-Esders, einer der wenigen, die schon 1980 dabei waren. Mit Bart, versteht sich.

Einen überparteilichen und augenzwinkernden Blick auf die Geschichte der Grünen lieferte Prof. Dietmar Klenke. Der Gastredner von der Universität Paderborn nannte es eine verwegene Idee, einen Historiker zum 30. Geburtstag um einen Vortrag zu bitten. So mussten sich alle Grünen das Urteil des „sadistischen Voyeurs“ anhören. Mit 30 seien die Grünen in den besten Jahren, sie hätten ein Reifestadium erreicht, in dem es erlaubt sei von den Ideen eines Fünfjährigen abzurücken. Dabei sei es nicht leicht, die eigene Jugend betrauern zu müssen, so Klenke. Zu Beginn sei die Partei ein Sammelbecken gewesen für Marxisten, Aussteiger, radikaldemokratische Populisten oder Ökos. Ein Auseinanderbrechen sei nur dadurch verhindert worden, weil die etablierten Parteien drei bedeutende Politikfelder nicht besetzen konnten: Umweltaspekte, neue gesellschaftliche Lebensformen und Ausländerintegration.

Dabei litten die Grünen lange unter einem Glaubwürdigkeitsproblem, so Klenke. In den 1990er Jahren hatten sie das Problem hehre Ansprüche und Alltagsverhalten in Einklang zu bringen. In der SPD-Regierungskoalition hätten die Partei überzogene Kompromisspolitik betrieben. Heute stehe sie für „bürgerliche Liberalität und Weltoffenheit“.

Dieser ironischen Abrechnung folgte Wahlkampfauftakt mit der Landtagsabgeordneten Sigrid Beer. Mit dem „Terrier“, wie Bunte-Esders sie nannte. Die Grünen müssten Schwarz-Gelb in NRW ablösen und die „Alptraumkoalition“ im Bund bändigen. Als Mittel dafür diene Beer die Bildungspolitik, ihr Terrain und „eine Achillesferse“ der Landesregierung. „Es muss Schluss sein, dass Schulen gezwungen werden, Kindern Niederlagen beizubringen“, sagt Beer. Die Grundschulempfehlungen seien ihr ein Beispiel angezogener Selektionsschrauben.
Damit müsse Schluss sein, genau wie mit Prognoseunterricht und wangszuweisungen zur Hauptschule. Nur ein Prozent der Eltern wollten ihr Kind dort anmelden, sagt Beer und sieht keine Alternative zur Gesamtschule. Verbundschulen mit Haupt- und Realschule hielten den Niedergang der Hauptschule nur eine Weile auf. Und die Schulzeitverkürzung an Gymnasien überschütte die Schüler mit Anforderungen, so Beer. Zudem gehe es ihr um den Nationalpark Senne, um Gesundheit sowie darum, ökologische und ökonomische Weihen zu stellen.

Die Investitionsfelder der Zukunft fasste der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold und Steuerexperte zusammen: Erneuerbare Energien, Materialeffizienz und Bildung. Es könne nicht sein, dass eine Milliarde Menschen hungerten und tausend Milliarden Euro ausgegeben würden, um den Kollaps nach der globalen Finanzkrise zu verhindern. Basis für eine weltweite Angleichung seien einheitliche Standards, „sonst endet es in Barberei“, sagt Giegold.

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