Gelsenkirchener Modell : Investition in Bildung ist Stadtentwicklung

23.03.2010

Der Westen

Jens Helmecke

 

Hagen. Wie kann man gute Bildung in einer Stadt mit mieser Kassenlage garantieren? Eine Frage, die der Gelsenkirchener Beigeordnete Dr. Manfred Beck klar beantwortet: Indem investiert wird.

Seit 35 Jahren plagen sich die Gelsenkirchener mit einer überzogenen Stadtkasse herum. Haushaltssicherung ist ihnen offenbar notgedrungen in Fleisch und Blut übergegangen. Und Not macht bekanntlich erfinderisch. Trotz leerer Kassen gelingt es an der Emscher offenbar besser als anderswo eine funktionierende Bildungslandschaft zu kreieren. „Unsere Straßen sind extrem schlecht, dafür sind unsere Schulen extrem gut ausgestattet”, berichtete jetzt Dr. Manfred Beck bei einer Diskussionsveranstaltung der Grünen im kleinen Kreis im Cafe´ Dialog am Markt. An seiner Seite stand die bildungspolitische Sprecherin der NRW-Fraktion von Bündnis90/Die Grünen, Sigrid Beer. Die kündigte an, was bei einer Grünenregierungsbeteiligung im Land bei der Bildung alles anders laufen soll. Abschaffung der Grundschul-Empfehlungen für die Sekundarstufe I, mindestens 18 Monate Referendariat, außerdem sei an verpflichtende Fortbildung von Lehrern gedacht. An die Abschaffung konfessioneller Schulen, wie Beck es fordert, wagen sich die Grünen aber wohl nicht.

Millionen in Schulen gegeben statt

in Straßenbeläge investiert

Der Gelsenkirchener Beigeordnete für Schule, Bildung und Jugend verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, wie es sein Ressort verlangt. Das Motto „Bildung findet Stadt” meint denn auch nicht nur Schule. Gemeinsam mit seinem Oberbürgermeister Frank Baranowsky sei die Erkenntnis gereift, dass Bildung in Gelsenkirchen Priorität haben soll, die beste Stadtentwicklung ist. Erziehung und Bildung wurden zu einem Referat verzahnt. Jede Schule habe feste Ansprechpartner beim Jugendamt und der Erziehungshilfe. In Stadtteilen gebe es feste Strukturen, die Familie, Schule, Erziehung, Wirtschaft, Kultur und Vereine miteinander vernetzen. Die Stadt zahle ein Sprachförderprogramm im Elementar- und Primarbereich. Millionenbeträge würden in freiwillige Leistungen investiert. „Das rechnet sich, weil wir dafür im Pflichtbereich mehr einsparen.” versichert Beck - und hat seine Kommunalaufsicht davon trotz der Haushaltssicherung überzeugt.

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