Ärger um 4.000 Einladungen

03.03.2010

Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt
VON BERNHARD HÄNEL

Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrats in der Kundenhalle der Volksbank

Paderborn. Eine „geschlossene Veranstaltung“ sorgt für öffentliches Aufsehen in Paderborn und Umland. Nicht der Redner und sein Thema sind der Grund, sondern die Verbindung zwischen dem Einlader „Wirtschaftsrat der CDU, Sektion Hochstift“ und dem Gastgeber, der Volksbank Paderborn/Höxter/Detmold. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sigrid Beer nennt das „schwarzen Filz im Paderborner Land“ und verlangt Aufklärung von Einlader und Gastgeber.

Auskunft ist schnell zu bekommen, denn beide Funktionen ruhen in einer Hand. Ulrich Bittihn lädt als Sprecher der Sektion Hochstift und Mitglied im Landesvorstand des Wirtschaftsrates der CDU ein und ist gleichzeitig Gastgeber in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender der Volksbank. 4.000 Einladungen seien verschickt worden an einen ausgewählten Kundenkreis seiner Bank, sagt der Vorstandschef. Natürlich habe auch der Wirtschaftsrat Einladungen verschickt, sagt der Sprecher der Hochstiftssektion. Dabei scheinen zumindest einige Blätter durcheinandergeraten zu sein. Geladene Gäste sprechen von einiger Verwirrung, weil sie an Hand der erhaltenen Post letztlich nicht herausfinden konnten, ob sie zu einer CDUVeranstaltung eingeladen wurden oder einer ihrer geschätzten Hausbank.

Bittihn sieht dafür keinen Grund. Schließlich sei der Wirtschaftsrat der CDU keine Gliederung der CDU, sondern lediglich ein eingetragener Verein und stehe „in kritischer Distanz“ zur CDU. Die Veranstaltung mit dem Thema „Wohlstand und Gerechtigkeit für ein starkes Nordrhein-Westfalen“ in der Kundenhalle der Volksbank ist für Bittihn „Teil eines vielfältigen Angebots“ der Volksbank. Zu den Gästen seiner Bank hätten schließlich auch schon Organisationen wie die Kreisjägerschaft, die IHK und der Kreissportbund gehört. Den Vorwurf, er biete Raum für eine Klientelveranstaltung, „will ich nicht auf mir sitzen lassen“, sagt Bittihn.

Sigrid Beer dagegen sieht darin ein „Gesamtszenario“: wie die CDU versuche, den Ministerpräsidenten über Veranstaltungen zu vermarkten, und versucht werde, Rüttgers an den Wähler zu bringen. „Hocherfreut“ reagierte Reinhard Borgmeier, der Linken nahestehender Paderborner Ratsherr, auf seine Einladung. Das Thema liege auch ihm am Herzen. „Ich gehe davon aus, dass der Ministerpräsident bei Ihnen – dem Wirtschaftsrat der CDU – vor allem Arbeitnehmerinteressen vertreten wird, um ein gewisses Gegengewicht darzustellen“, schreibt er an die Einlader.



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