Keine Hausaufgaben bei Ganztagsschule?

15.12.2008

Kölnische Rundschau

Die FDP will eine Hausaufgaben-Betreuung an den NRW-Ganztags-Gymnasien einführen, um zu verhindern, dass viele Schüler bis Abends an Schularbeiten sitzen. Der Fraktionschef stellte ein Konzept zur Hausaufgabenbetreuung in den Klassen 5 bis 9 vor.

DÜSSELDORF - Nach der Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs um ein Jahr fühlten sich viele Schüler durch den verdichteten Unterricht und "Hausaufgaben bis weit in den späten Nachmittag" überfordert, begründete der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Gerhard Papke, am Montag den Vorstoß der Freidemokraten.

Der Fraktionschef stellte in Düsseldorf ein Konzept zur Hausaufgabenbetreuung in den Klassen 5 bis 9 vor. Dazu sollen die Fachlehrer verpflichtet werden. Die Entscheidung, ob eine Hausaufgabenbetreuung nach dem Unterricht eingeführt wird, will die FDP der jeweiligen Schulkonferenz überlassen. Fällt ein solcher Beschluss, soll er für alle Gymnasiasten der Sekundarstufe I bindend sein. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Opposition im Landtag halten die FDP-Pläne für abwegig.

Die FDP will Schulen zudem ermöglichen, nur einzelne Klassenzüge als Ganztagsangebote anzubieten. Bislang stünden die Schulen ohne belastbare Erfahrungen mit dem tatsächlichen Bedarf vor der "fundamentalen Entscheidung: Ganz oder gar nicht", kritisierte Papke. Mit einer Flexibilisierung des Ganztagskonzepts könnten sehr viel mehr Schulen für entsprechende Angebote gewonnen, meinte der FDP-Politiker. Bislang sehen die Pläne der CDU/FDP-Koalition vor, bis 2010 insgesamt 216 Realschulen und Gymnasien in Ganztagsschulen umzuwandeln.

"Das Gefühl der Überforderung der Schüler müssen wir ernst nehmen", mahnte Papke. "Gute Noten und kindgerechtes Lernen sind für uns kein Widerspruch." Die Vorschläge seien allerdings noch nicht mit dem Koalitionspartner abgesprochen.

Die Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs von neun auf acht Schuljahre war mit der Auflage verbunden, in den Klassen der Sekundarstufe I zehn bis zwölf Ergänzungsstunden pro Woche anzubieten. Sie sollen teilweise für die individuelle Förderung der Schüler verwandt werden. "Viele Schulen nutzen allerdings alle zwölf Ergänzungsstunden für zusätzlichen Fachunterricht", stellte die Bildungspolitikerin der FDP-Fraktion, Ingrid Pieper-von Heiden, fest.

Die FDP will alle Ergänzungsstunden in die Hausaufgabenbetreuung investieren. Ihren Vorstellungen zufolge soll künftig in den Klassen 5 und 6 an jeweils drei Tagen pro Woche und in den Klassen 7 bis 9 an jeweils zwei Tagen Hausaufgabenbetreuung an den Gymnasien angeboten werden. Dabei sollen die Schüler wählen können, in welchem Fach sie die Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Besonders gute Schüler sollen in den Stunden ihre Stärken ausbauen. An den Betreuungsnachmittagen sollen sie die Möglichkeit haben, jahrgangsübergreifend zu den jeweiligen Fachlehrern zu gehen.

Aus Sicht von SPD und Grünen ist die Nutzung der Ergänzungsstunden für die Hausaufgabenbetreuung nicht mit den Vorgaben der Kultusministerkonferenz vereinbar. Damit gefährde die FDP sogar die bundesweite Anerkennung des in NRW erworbenen Abiturs, kritisierte die Opposition. "Die Herauslösung von zwölf Ergänzungsstunden für die Hausaufgabenbetreuung wäre eine massive Unterschreitung der vorgeschriebenen Mindestwochenstundenzahl", meinte Ex-Schulministerin Ute Schäfer (SPD).

Die Grünen hielten der FDP vor, ihr gehe es mit ihren Vorschlägen nur um "eine schnelle Schlagzeile". Tatsächlich habe die FDP die "missglückte Schulzeitverkürzung mit massiver Unterrichtsverdichtung" aber mitzuverantworten, hob die Bildungsexpertin der Grünen-Fraktion, Sigrid Beer, hervor. "Nun entdeckt die FDP den Stress an Gymnasien." Die GEW nannte die FDP-Vorschläge "baren Humbug". Fehlende Ganztagsangebote an den Gymnasien könnten nicht einfach durch zusätzliche Leistungen der Lehrer kompensiert werden, unterstrich der GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber in einer Mitteilung. (dpa)

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